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Globale Supply Chain in Schieflage

Hersteller unter Druck durch Lieferengpässe!

Laut einer Umfrage des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo) stieg die Anzahl der Unternehmen, die von Materialengpässen betroffen sind, von April bis Juli 2021 von 45 auf knapp 64 Prozent.

Aufgrund der Coronapandemie wurden weniger Komponenten gefertigt und Rohstoffe abgebaut, Handelskonflikte und Störungen der Supply Chain verschärfen zudem die Knappheit. Hersteller sind nicht in der Lage, die just-in-time Produktion aufrecht zu erhalten. Die sich seit Jahresbeginn 2021 stetig verbessernde Auftragslage mit einem Plus von über zehn Prozent kann von den Fertigungsbetrieben nicht voll ausgeschöpft werden.

Containerschiffe stauen sich im Hafen von Ningbo-Zhoushan, China.

Das Terminal Meishan im Hafen von Ningbo-Zhoushan wurde coronabedingt gesperrt. 20 % Prozent der Verladekapazitäten sind stillgelegt. Die Folge: Schiffe stauen sich.

Störungen der Seehandelsrouten verstärken Materialknappheit

Drei schwere Krisen störten die Seehandelsrouten in den vergangenen sechs Monaten und beeinträchtigten die Supply Chain damit erheblich. Das querstehende Containerschiff „Ever Given“ blockierte den Suezkanal im März für insgesamt sechs Tage. Die Folge: Schiffe stauten sich. Wochenlang war der viertgrößte Containerhafen Yantian in China coronabedingt gesperrt. Nur noch 40 Prozent der üblichen Containermengen (TEU) wurden umgeschlagen.

Im drittgrößten Welthafen Ningbo-Zhoushan in China wurde das Meishan-Terminal ebenfalls nach einem positiven Coronatest eines Hafenarbeiters gesperrt. 20 Prozent der Verladekapazitäten sind aktuell stillgelegt. Die Häfen Ningbo und Yantian sind als Umschlagplätze für Technik- und Elektronikwaren sowie Rohstoffe wie Erze, Metall und Öl bekannt. Der reduzierte Betrieb verlangsamt den Transport dieser Güter. Die Materialknappheit in der Industrie wird zusätzlich verschärft.

Preise für Kunststoffe und andere Materialien sind im Vergleich zu 2021 drastisch gestiegen - um teilweise bis zu 61 Prozent.

Die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte haben sich im Jahr 2021erheblich erhöht. Die Preisaufschläge bei Kunststoffen wie PA 6 und PA 6.6 treffen die Automobilbranche besonders hart. Foto: 12.49 / Adobe Stock

Preissteigerungen bei Vorprodukten treffen Automobilbranche hart

Automobilhersteller und deren Zulieferer (83,4 Prozent) sowie Hersteller elektrischer Ausrüstung (84,4 Prozent) sind besonders vom globalen Halbleiter- und Materialmangel betroffen. Zusätzlich sind 72,2 Prozent der Elektronikhersteller und 70,2 Prozent der Maschinenbauer von der Materialknappheit betroffen. Insgesamt sind laut Statistischem Bundesamt die Großhandelspreise im Vergleich zu 2020 um 11,3 Prozent angestiegen.

Besonders hohe Steigerungen wurden im Bereich Erz und Metall (+59,2 Prozent) sowie bei Kunststoffen verzeichnet. Spitzenreiter ist der Kunststoff S-PVC Preis, der sich laut Recyclingmagazin um 61 Prozent erhöhte. Bei den für die Automobilindustrie wichtigen Materialien PA 6 und PA 6.6 werden dreistellige Preisaufschläge erwartet. Die Preise für Rohstoffe und Vorprodukte stiegen im Vormonatsvergleich im Juli 2021 um 1,1 Prozent.

Materialmangel erzwingt ein Umdenken in der Supply Chain

Betroffene Hersteller sehen sich gezwungen, ihre Produktionen und Lieferketten umzustellen, so Klaus Wohlrabe, Forscher am ifo-Institut: „Derzeit bedienen die Hersteller die Nachfrage noch aus ihren Lagern an Fertigwaren. Aber die leeren sich nun auch zusehends.“

Eine mögliche Antwort auf die Störungen in der globalen Supply Chain ist dabei die Abkehr von der just-in-time Produktion und der Aufbau erweiterter Lagerkapazitäten. Der Aufbau neuer Produktionskapazitäten sei ein weiteres Ziel. Laut Umfrage des Branchenmagazins Kunststoff Information planen Hersteller, zukünftig mehr recycelte Vorprodukte einzusetzen, oder „kurzfristig in Europa die Produktionskapazitäten schaffen“, um weiteren Störungen der Supply Chain vorzubeugen.

Das neue Halbleiterwerk von Bosch wurde Anfang 2021 in Betrieb genommen.

Das neue Halbleiterwerk von Bosch in der Nähe von Dresden wurde am 7. Juli 2021 offiziell eröffnet. Halbleiter für die Automobilindustrie werden dort hergestellt. Foto: Bosch

Halbleitercluster „Silicon Saxony“ wird weiter ausgebaut

In der Halbleiterherstellung sind die Erweiterungen der Produktionskapazitäten bereits in vollem Gange: Bosch eröffnete das neue Halbleiterwerk in Dresden ein halbes Jahr früher als geplant um dem Halbleitermangel entgegenzuwirken. Die Hersteller Globalfoundries und Infineon erweitern ebenfalls die Produktion im sogenannten „Silicon Saxony“, Europas größtem Cluster der Halbleiterherstellung und der fünftgrößte weltweit. Der gleichnamige Verein vernetzt Stakeholder der Halbleiterherstellung in der Region.

„Silicon Saxony“-Geschäftsführer Frank Bösenberg erklärt die Hintergründe des globalen Halbleitermangels und die Komplexität der Halbleiterherstellung im Fachartikel „Globaler Halbleitermangel“.

Niklas Van Bocxlaer
Niklas Van Bocxlaer
Exhibition Manager
Lüneburg bei Hamburg, Deutschland
Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Chefredakteurin und Konferenzmanagerin
Lüneburg, Deutschland
Vanessa Tan
Vanessa Tan
Redakteurin
Lüneburg, Deutschland
Rena Garbe-Emden
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Graphics Specialist
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