RFID-Fahrzeugtracking

Landesweite Fahrzeugerfassung mit UHF-RFID in Ägypten

Das Ägyptische Innenministerium baut auf eine flächendeckende Fahrzeugerfassung im ganzen Land: Verkehrsmanagement und Zulassungskontrollen werden digital unterstützt.

Größtes RFID-Fahrzeugtrackingsystem weltweit bis 2024 in Ägypten!

Über 100.000.000 Einwohner leben in den Metropolregionen um Kairo, Alexandria, Gizeh, Schubra-al-Chaima, Port Said, Sues und Luxor. Schätzungen gehen von 20 Millionen Fahrzeugen aus, die im Niltal und Nildelta auf einem Straßennetz von 45.000 Kilometern unterwegs sind.

Das ägyptische Innenministerium will das Verkehrsaufkommen besser kontrollieren, Fahrzeuge identifizieren und die Zulassung von Fahrzeugen automatisch überprüfen.

Zu diesem Zweck begann 2019 der Aufbau einer RFID-Verkehrsinfrastruktur mit dem deutschen Technologiepartner für UHF-RFID-Reader Kathrein Solutions aus Stephanskirchen.

Im Interview mit RFID im Blick berichtet Christian Schnebinger, Deputy Sales Officer bei Kathrein Solutions, über die erfolgreiche Pilotphase und die Herausforderungen.

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Ägypten wächst – und plant für die Zukunft

Die Bevölkerung in Ägypten wächst stark. Die Marke von 100 Millionen Einwohnern wird in naher Zukunft überschritten. Rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt im Großraum der Hauptstadt Kairo. Die Metropolregion verzeichnet im Vergleich zu 1950 ein Wachstum von über 700 Prozent und gehört heute mit rund 20 Millionen Einwohnern zu den größten Mega Cities der Welt. Und obwohl Ägypten flächenmäßig fast 3-mal so groß ist wie Deutschlan, ballt sich nahezu die gesamte Bevölkerung entlang des Nildeltas in Kairo, Gizeh und Alexandria.

Um den steigenden Platz- und Wohnraumbedürfnissen gerecht zu werden, plant die ägyptische Regierung kontinuierliche Entwicklungsprojekte. Neu- Kairo, eine Planstadt, die seit 2000 am östlichen Rand der Hauptstadt entsteht, gehört zu diesen Projekten. In Neu-Kairo soll auf Bauland, dass der Wüste abgerungen wurde, Wohnraum und Mobilitätsinfrastrukturen für bis zu fünf Millionen Einwohner geschaffen werden.

Die Planung und das Management der Verkehrswege unterliegt dem Innenministerium, das Ministry of Interior, kurz MOI.

Das Bevölkerungswachstum beträgt 2,4 Prozent

Aktuell sind rund 20 Millionen Autos auf Ägyptens Straßen unterwegs. Mit der steigenden Einwohnerzahl wird auch die Anzahl der Fahrzeuge zunehmen. Die starken Wachstumsraten in einem verhältnismäßig kleinen Ballungsraum sind besondere Herausforderungen für die Gewährleistung sicherer und staufreier Mobilität.

Live-Daten erfüllen Zielsetzungen des MOI

Die zentrale IT der UHF-RFID-Verkehrslösung sendet digitale Live-Daten über Fahrzeuge, die die Lesepunkte passieren, automatisch an die Aufsichtsbehörde. Die Optimierung und Kontrolle des Verkehrsflusses und die Identifikation von illegalen Aktivitäten basieren auf diesen Daten.

Gestohlene oder nicht zugelassene Fahrzeuge ohne Versicherungsschutz sollen unmittelbar aus dem Verkehr gezogen werden. Ein weiteres Ziel des Innenministeriums ist die kontinuierliche Überwachung der zulässigen Höchstgeschwindigkeiten.

RFID-Zulassung ist 3 Jahre gültig

Bei der Einführung des UHF-RFID-Verkehrssystems waren die ersten Reaktionen auch kritischer Natur. Es verbreiteten sich Falschmeldungen über hohe Strafen für Fahrzeughalter, die noch keine RFID-Kennzeichnung beantragt hätten.

Das MOI stellte klar, dass die Kosten für die RFID-Kennzeichnung bei umgerechnet 2,75 Euro liegen und die Gültigkeit drei Jahre beträgt. Voraussetzung für die Zulassung und RFID-Kennzeichnung ist die Überprüfung der technischen Fahrtauglichkeit jedes Fahrzeuges. Insgesamt profitiert laut MOI der gesamte Straßenverkehr von der erhöhten Transparenz und der optimierten Verkehrssteuerung.

Der Zeitgewinn an den vollautomatischen Mautstationen ist vor allem ein Vorteil für Fahrer.

10 Millionen Label für die erste Rolloutphase

Bis Ende 2019 wurden rund fünf Millionen Fahrzeuge mit manipulations- und fälschungssicheren UHF-RFID-Windshield- Labeln getaggt. Für Motorräder kommen spezielle Scheinwerfer-Label zum Einsatz. Die Label werden in Ägypten unter staatlicher Aufsicht auf einer kundenspezifisch entwickelten Tag-Personalisierungsanlage kodiert. Das Tag-Inlay basiert auf UCODEDNA- ICs von NXP.

Die Tag-Authentifizierung erfolgt über einen AES-Coprozessor und einzigartigem 128-Bit-AES-Kryptoschlüssel. Der Schutz der Daten wird durch nicht zurückverfolgbare Befehle und einen 128-Bit- AES-Gruppenkryptoschlüssel sichergestellt. Eine zerstörbare Antennenstruktur, Stanzungen und eine VOID-Oberfläche schützen die Tags gegen das Abziehen und anschließende Wiederverwenden.

„Die Kennzeichnung jedes Fahrzeugs erfolgt durch Mitarbeiter unseres Integrationspartners Go+ und von Beamten der Aufsichtsbehörde vor Ort. Nach dem Datenabgleich der Zulassung wird der Tag platziert. Im Anschluss wird die Tag-ID mit dem entsprechenden Datensatz im dedizierten, Cloud-basierten zentralen Datenzentrum via Handheld-Erfassung verknüpft“, erläutert Schnebinger.

Drei Bereiche auf den Windschutzscheiben sind zur Kennzeichnung definiert, abhängig davon, ob die Scheiben beispielsweise zum UV-Schutz metallisch bedampft sind oder über ein Heizsystem verfügen.

„Die korrekte Platzierung ist entscheidend damit jeder Tag aus 15 bis 20 Metern Entfernung, selbst bei Geschwindigkeiten von mehr als 200 km/h, erfasst wird und die Ende-zu-Ende- Daten-Kommunikation sicher erfolgt“, unterstreicht der Deputy Sales Officer.

60 Schilderbrücken mit RFID-Technik für lückenlose Erfassung

Insgesamt werden bis zum Abschluss des Rollouts 60 Schilderbrücken im gesamten ägyptischen Straßennetz mit einer Kombination aus UHF-RFID und Kameratechnik ausgestattet. Die ANPR-Kameras (Automated Number Plate Recognition) übertragen die visuellen Daten jedes Kennzeichens zusammen mit den RFID-Daten über das Backend des Innenministeriums.

„Ein externes Hochsicherheitsmodul gewährleistet die sichere Kommunikation aller erfasster Daten von jeder Autobahnbrücke zur IT-Anwendung der Regierung“, so Schnebinger. Ist ein Fahrzeug getaggt und die ID mit der Datenbank verknüpft, wird bei jeder Durchfahrt der Tag erfasst.

„Die Kathrein Solutions RRU 4500 UHF-RFID-Reader, die unser Integrationspartner vor Ort installiert, sorgen zusammen mit 30°-Weitbereichsantennen für eine dauerhaft sichere, spurselektive Fahrzeugidentifikation.“

Daten-Know-how aus Ägypten und Deutschland kombiniert

Um das Datenmanagement zwischen den Lesepunkten, dem Backend und Endgeräten, wie beispielsweise Terminals in Polizeifahrzeugen, optimal zu gestalten, kommen zwei Lösungen zum Einsatz. Die Sammlung und Kommunikation von RFID- und Kameradaten an den Schilderbrücken erfolgt über die IoT-Suite CrossTalk von Kathrein Solutions.

„CrossTalk ist in der Lage Rohdaten aus unterschiedlichen Quellen, technologieund herstellerunabhängig, zu verarbeiten und im gewünschten Eventformat zur Verfügung zu stellen“, erläutert Schnebinger. Das gesamte Datenmanagement in der Cloud sowie die Anwendungen zur Visualisierung sind von Go+ konzipiert und programmiert.

Automatische Mauterhebung und Services via Apps

Mit der Einführung der kombinierten RFID-Kamera-Lösung plant das MOI die Abrechnung von Mautgebühren zu vereinfachen. Autofahrer sollen Mautstellen ohne Anhalten passieren können. Nach jeder Durchfahrt sollen die Fahrer per SMS über den abgerechneten Betrag informiert werden.

Über die elektronische Fahrzeugregistrierung plant das MOI Fahrzeughaltern und -fahrern zusätzliche Services per offiziellen Apps zur Verfügung zu stellen. Jeder Autobesitzer ist aufgefordert, sein Fahrzeug an einer der Registrierungsstellen mit einem Label kennzeichnen zu lassen.

Unsere Produkte

WRA 6060 UHF-RFID-Antenne
SMSH-UHF-RFID-Antennen-Familie
ARU 2400 UHF-RFID-Reader
IoT-Suite CrossTalk
ARU 8500 RFID-Reader
K-RTLS
Christian Schnebinger
Christian Schnebinger
Deputy Sales Officer
Stephanskirchen, Deutschland
Michael Kaiser
Michael Kaiser
Director Product Management & Innovations
Stephanskirchen, Deutschland
Thomas Brunner
Thomas Brunner
Geschäftsführer
Stephanskirchen, Deutschland
Onur Yildiz
Onur Yildiz
Senior Sales Manager
Stephanskirchen, Deutschland
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