Inventur & Lokalisierung

Inventur & Lokalisierung von Luxuswaren bei Juwelier Kessaris

Luxuswaren – Uhrenhändler Kessaris wird RFID-Pionier

Juwelier Kessaris implementiert RFID-Lösung zur Inventur und Lokalisierung von bis zu 10.000 Artikeln

Juwelier Kessaris bietet in jeder der acht Filialen rund 10.000 unterschiedliche Schmuck- und Luxusartikel an – nicht wenige davon mit einem Verkaufspreis von 5.000 Euro oder mehr. Fehlende oder nicht direkt auffindbare Artikel bedeuten eine hohes finanzielles Risiko. Für Kessaris war die Integration einer technologischen Lösung unabdingbar, um regelmäßig Inventuren mit höchstmöglicher Genauigkeit durchführen zu können.

Die besondere Herausforderung dabei: Herkömmliche Tagging- beziehungsweise Warensicherungslösungen schieden aus ästhetischen Gründen aus, da sie die Anprobe umständlich hätten werden lassen. Mit einer UHF-RFID-basierten Lösung konnte Kessaris im Bereich der Uhrenkennzeichnung erste Erfolge erzielen. In den folgenden Entwicklungsschritten fokussiert der Juwelier auf die Bereiche Schmuck und Dekokennzeichnung.

Vassilis Kessaris, Geschäftsführer & Miteigentümer, Kessaris, im Interview mit RFID im Blick.

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Luxuswaren diskret kennzeichnen

Der griechische Juwelier Kessaris bietet in acht Filialen in den Städten Athen, Messinia, Marousi und auf Mykonos hochpreisige Uhren und Luxusartikel aus dem Schmucksegment an. Vassilis Kessaris, Geschäftsführer in zweiter Generation sowie Miteigentümer der 1965 gegründeten Kette mit über 40 Mitarbeitern, erkannte, dass die Dokumentation der Warenbestände und der detaillierte Status Quo der rund 10.000 einzelnen Artikel je Filiale entscheidend für die Sicherheit ist. Manuelle Kontrollen waren zeitaufwändig und fehleranfällig.

Die kleinen Bauformen des Warenbestands wie beispielsweise Uhren, Ringe und Ketten ließen den Einsatz einer Standardlösung nicht zu. Eine weitere Prozessanforderung: Die Warenkennzeichnung sollte so diskret wie möglich sein. Gemeinsam mit dem RFID-Systemintegratoren Trinity Systems entwickelt Kessaris eine spezifische UHF-RFID-Kennzeichnungslösung für den Juwelier- Sektor. „Wir leisten Pionierarbeit, da für den Schmuckhandel keine entsprechende Lösung existiert. Eine out-of-the-box Applikation war nicht verfügbar“, unterstreicht Vassilis Kessaris die Bedeutung der Entwicklungsarbeit.

Acht Geschäfte voller Luxuswaren

Das Unternehmen Kessaris verfügt über insgesamt acht Geschäfte in Griechenland. Drei Filialen sind nur saisonal geöffnet. Vier Boutiquen befinden sich im Zentrum von Athen, zwei auf Mykonos, ein Geschäft in Messinia und ein weiteres in Marousi. In jeder Filiale befinden sich durchschnittlich rund 10.000 Artikel. Kessaris bietet eine umfangreiche Auswahl an Luxusgütern an: Uhren, Schmuck sowie Luxusgeschenke wie Schreibwaren, Edelmetallartikel, dekorative Produkte oder Manschettenknöpfe.

Die Lösungsentwicklung dauert an

Kessaris begann 2017 mit der Recherche einer auf die Juwelier-spezifischen Anwendungen abgestimmten Lösung. Anfang 2018 startete die Zusammenarbeit mit einem griechischen RFID-Systemintegrator, um die passende Hardund Software zu realisieren. Rund drei Monate nahmen Tests zur Definition der geeigneten Tags in Anspruch. Ebenfalls fast vier Monate dauerte das Definieren der geeigneten Kodierung der Tags, sodass die Informationen auf den Tags beispielsweise zu den Referenznummern der einzelnen Uhrenmarken passen.

Der erste Rollout im Bereich der Uhren wurde 2019 gestartet. Vassilis Kessaris geht davon aus, dass ein vollständiges Tagging bis Mitte 2020 möglich sein wird, wenn sämtliche Entwicklungsarbeiten und Tests abgeschlossen sind.

Inventurgenauigkeit erhöht, Zeit gespart

Die RFID-basierte Automatisierung des Inventurprozesses erzeugt drei Vorteile auf unterschiedlichen Ebenen. Erstens, das Scannen von RFID-Etiketten schließt menschliche Fehler aus.

Der zweite Vorteil ist die Zeitersparnis, wie der Markeninhaber und Mitbegründer Vassilis Kessaris kommentiert: „Der Versuch, alle Artikel von Hand zu lokalisieren und zu kontrollieren, ist ziemlich mühsam und nimmt viel Zeit in Anspruch. Unsere Anwendung begann mit Uhren. Innerhalb der Boutique befinden sich die Uhren normalerweise an drei verschiedenen Orten. Wenn wir eine Bestandskontrolle für eine bestimmte Marke durchführen wollten, müssen wir alle drei Standorte gleichzeitig abdecken, um alle Artikel zu finden. Mit dem RFID-Scanner wird nur ein Mitarbeiter benötigt, um alle Artikel an allen drei Standorten zu scannen. Dies reduziert auch den Aufwand für die Inventur, was der dritte Vorteil ist.“

Technologien

Die Suche nach den passenden Tags dauert an

Für die Kennzeichnung der Artikel kommen UHF-RFID-Labels zum Einsatz. Noch sind nicht für sämtliche Artikel die passenden Tags definiert. Sämtlich Tags werden mit einem RFIDDrucker in der Hauptfiliale kodiert und bedruckt. Für das Erfassen und Lokalisieren in den Filialen werden UHF-RFID-Handhelds genutzt. Um die erfassten Daten zu verarbeiten setzt Kessaris eine Juwelier-spezifische Software ein.

Tracking-Software für Juweliere

Für die komplette Lösung zeigt sich das RFIDSystemhaus Trinity Systems verantwortlich. Die Basis ist die von Trinity Systems entwickelte Software „JewelTrack“, die an die speziellen Anforderungen des Uhren- und Schmucksektors angepasst ist. Die Kodierung der Tags erfolgt standardgemäß nach EPC Gen2 ISO/ IEC 18000-6. Die Software berücksichtigt die Besonderheit, dass beispielsweise Luxusuhrenhersteller anstatt einer Serialisierung auf Referenznummern setzen. So wird eine markenspezifische Inventur auch filialübergreifend möglich. Als Drucker nutzt Kessaris ein Modell von Zebra Technologies.

Uhren zu 100 Prozent getaggt

Die RFID-Testphase startetete Kessaris gemeinsam mit Trinity Systems im Uhrenbereich. Hier ist der Rollout vollständig abgeschlossen. Nach der Anlieferung in die Zentralfiliale werden sämtliche Uhren mit einem kleinen UHF-RFID-Label gekennzeichnet und initial in JewelTrack erfasst. Aus der Hauptboutique werden die Uhren auf die weiteren sieben Geschäfte verteilt. Inventuren des Uhrenbestands führen die Mitarbeiter durchschnittlich einmal im Monat durch. Dazu kommen stichprobenartige Teilinventuren und situationsbedingte Lokalisierungen, um eine spezifische Uhr in einem der drei Bereiche zwischen Tresen, Vitrinen oder Tresor zu finden.

Das Vorgehen bei der regelmäßigen Inventur erfolgt markenspezifisch. Die Bestandserfassung mit einem UHF-RFID-Handheld liefert Ergebnisse von durchschnittlich 95 bis 97 Prozent Genauigkeit. Bei Stichprobeninventuren liegt die Genauigkeit bei 95 bis 100 Prozent. Nicht jede Fililale verfügt über einen eigenen Handheld. Stehen Inventuren an, wird die Arbeit von einem Mitarbeiter in mehreren Filialen nacheinander durchgeführt.

Zu lösende technologische Herausforderungen

Die Anforderungen an die Baugröße und höchstmögliche Lesbarkeit hat Kessaris als Hauptherausforderung erkannt. „Je kleiner die verwendeten Tags sind, desto schlechter sind die Leseergebnisse. Erschwerend hinzu kommt das metallische Umfeld. Auch sind wir konfrontiert damit, dass die Labelqualität nicht immer zu 100 Prozent gegeben ist und es auf einer Rolle mit 250 Tags mitunter zu Ausfällen in Höhe von bis zu zwei bis fünf Prozent kommt. Diese Tatsache führt zu Ungenauigkeiten. Wird beispielsweise eine Uhr aufgrund eines defekten Tags nicht gefunden, sprechen wir hier von einem Gegenstand im Wert von mehreren tausend Euro. Ebenfalls ist die Bedruckbarkeit aufgrund der geringen maximalen Größe der Labels eingeschränkt“, berichtet Vassilis Kessaris.

Eine zweite noch zu lösende Herausforderung ist das Taggen der Artikel außerhalb des Uhren- und Schmuckbereiches. „Momentan noch nicht gelöst ist die vollständige Kennzeichnung der Produktgruppe, die Schreibwaren und dekorative Edelmetallartikeln umfasst. Interferenzen, die aufgrund der metallischen Gegenstände auftreten, können bislang noch nicht ausreichend vermieden werden. Ungenaue Leseergebnisse sind die Folge. Deshalb dauert die Test- und Entwicklungsphase gemeinsam mit Trinity Systems an.“

Strategien

Die Roadmap hat (noch) kein Enddatum

Mit dem vollständigen Rollout im Bereich der Uhren konnte Kessaris einen entscheiden Schritt zu einer automatisierten Bestandskontrolle bereits vollziehen. Die gewählte Technologie funktioniert. Diesem Schritt sollen weitere folgen um die Zielsetzung einer 100-prozentigen Inventur via RFID zu erreichen.

Vassilis Kessaris ist sich bewusst, dass dieser Prozess weitere Zeit in Anspruch nimmt: „Wir haben gute Ergebnisse erzielen können und insbesondere im Bereich der Uhreninventur deutliche Effizienzgewinne. Die Realisierung in den anderen Bereichen – Schmuck sowie Schreibwaren und Dekorationsartikel – wird noch Zeit brauchen. Wir müssen warten, bis die passenden Tags entwickelt sind. Daher haben wir auch keinen konkreten Zeitpunkt gesetzt, zu dem die RFID-Umsetzung angepasst werden muss. Da es nach unseren Recherchen bislang keine vergleichbare Lösung gibt, müssen wir sämtliches benötigtes Know-how selbst erzielen.“

Solange keine 100-prozentige Kennzeichnung sämtlicher Artikel in den Geschäften möglich ist, sieht Kessaris von der Integration stationärer Lesetechnik, beispielsweise im Kassentresen ab. „Eine fixe Leseinfrastruktur ergibt zum aktuellen Zeitpunkt noch keinen Sinn. Erst wenn die passenden Tags mit der passenden Qualität einsatzbereit ist, werden wir über weitere Schritte der Automatisierung von Bestandsmanagementprozessen diskutieren.“

Diebstahlschutz wäre Top-Level

Im Rahmen der Technologieintegration konnte Kessaris erste Tests einer RFID-basierten Diebstahlprävention durchführen – mit noch nicht ausreichenden Ergebnissen, wie Vassilis Kessaris berichtet: „Ein erstes Experiment ist gelaufen, aber die Ergebnisse sind im Moment noch nicht annähernd zufriedenstellend. In diesem Bereich muss umfassende Entwicklungsarbeit geleistet werden. Die Art der Antennenplatzierung und -ausrichtung sowie die Abstimmung der Reichweiten sind komplexe Prozesse.

Eine nächste Phase wird darin bestehen, einen weiteren Diebstahlschutz- Piloten in einer der Boutiquen zu installieren. Sind die Ergebnisse zufriedenstellend, werden wir die Lösung als Vorlage in den anderen Geschäften übernehmen. Das wäre die Top-Level- Lösung: Bestandsmanagement und Diebstahlschutz mit einer Technologie zu lösen. Vieles ist von der Tag-Entwicklung abhängig. Wir wären begeistert, wenn Tag-Entwickler der Kennzeichnung von Schmuck und Uhren eine verstärkte Aufmerksamkeit schenken – denn der Bedarf zur Kennzeichnung von Luxusgütern ist weltweit real.“ Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Kessaris

Das Unternehmen Kessaris wurde 1965 von Costas Kessaris gegründet und verkauft an acht Standorten in Griechenland Luxusuhren unter anderem der Marken Rolex, Bvlgari, Panerai oder IWC. Mit eigenem Design und eigener Werkstatt produziert das Unternehmen individuelle Schmuckstücke und vertreibt hochwertige Schreibwaren, Deko- und Geschenkartikel.

Vassilis Kessaris ist Geschäftsführer der griechischen Juwelierkette Kessaris. Nach seinem Studium in New Jersey kehrt er nach Griechenland zurück und wurde 1985, zusammen mit seinem Vater Costas Kessaris, Miteigentümer der Juwelierkette.

Niklas Van Bocxlaer
Niklas Van Bocxlaer
Exhibition Manager
Lüneburg bei Hamburg, Deutschland
Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Chefredakteurin und Konferenzmanagerin
Lüneburg, Deutschland
Jan Phillip Denkers
Jan Phillip Denkers
Stellvertretender Chefredakteur
Lüneburg, Deutschland
Vanessa Tan
Vanessa Tan
Redakteurin
Lüneburg, Deutschland
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