Outbound-Logistik

SEAT hebt die Outbound-Logistik auf das nächste Level

RFID-Lesepunkt auf dem kompletten Compound, Kennzeichen-Leser an allen Ein-und Ausfahrten, papierlose Distributionsprozesse und die vertikale Vernetzung via neuem IT-System – Seat steigert mit Technologie und IT die Transparenz in der Pkw-Auslieferung.

Bringing the distribution IT up-to-date

Alle 40 Sekunden läuft im Seat-Hauptwerk in Matorell, Spanien, ein fertiger Pkw vom Band. Mitarbeiter fahren die Pkw auf die Logistikflächen, wo sie auf den Transport Richtung Kunde warten. Wo exakt befindet sich welches Fahrzeug? Welcher Logistiker ist bereits auf dem Compound? Welche Pkw werden gerade verladen? Antworten können die Seat-Mitarbeiter der Outbound-Logistik in Matorell heute per Knopfdruck geben.

Seit 2014 wurden vier technologiebasierte Anwendungen umgesetzt. Diese vier Prozessoptimierungen werden jetzt über ein neues IT-System miteinander vernetzt. Eine detailliertere Informationsbasis ermöglicht nachhaltigere Entscheidungen in der Outbound- Logistik. Verzögerungen durch eine manuelle Recherche entfallen. Eine lückenlose Transparenz der Logistik bis zur Übergabe der Fahrzeuge an den Transporteur verringert den Aufwand für Ermittlungen und Regulierungen im Schadensfall.

Im Interview mit RFID im Blick spricht Manuel Medina, Vehicle Distribution Manager bei Seat, über die aktuellen Aktivitäten der horizontale Integration von bestehenden Prozessoptimierung. „Jede einzelne Anwendung erzeugt bereits eine gesteigerte Transparenz. Bringen wir jetzt aber die Daten aus den bislang getrennten Quellen zusammen, ergeben sich zahlreich Synergieeffekte“, unterstreicht Manuel Medina im Gespräch.

Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Inhaberin und Geschäftsführerin
Lüneburg, bei Hamburg, Deutschland

Kontinuierliches Wachstum beim spanischen Autohersteller Seat

Der 1950 gegründete Automobilhersteller Seat gehört seit 1986 vollständig zum Volkswagen Konzern. Die Seat-Unternehmenszentrale befindet sich seit der Gründung im Stammwerk in Martorell, Spanien, rund 20 Kilometer nordwestlich von Barcelona. 2017 lieferte das Unternehmen 468.400 Fahrzeuge weltweit aus. Das entspricht einer Steigerung von 14,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Jeder vierte Wagen verließ die Seat-Produktionsstandorte Richtung Deutschland, eine Absatzsteigerung in diesem Markt um 11 Prozent im Vergleich zu 2016.

Seat verzeichnete einen Gesamtgewinn in Höhe von 281 Millionen Euro, 21,8 Prozent mehr, als im Vorjahr, bei einem Gesamtumsatz von über 9,55 Milliarden Euro, was einer Steigerung von 11,1 Prozent entspricht. Das Unternehmen verfügt über zwei Produktionsstandorte in Martorell und Pamplona, Spanien, in welchen neben den Modellen der Marke Seat auch Pkws der Volkswagen-Konzern-Marken Audi und VW hergestellt werden. Darüber hinaus wird auch in einem Mehrmarkenwerk in Relizane, Algerien, sowie in Werken in Portugal, der Slowakei und in Tschechien produziert.

Die Geschwindigkeit aus der Produktion mitnehmen

Im Werk werden pro Tag rund 2.100 Fahrzeuge gefertigt. Die Fertigung ist hochautomatisiert. Mit dieser hohen Taktrate stellt die Produktion hohe Anforderungen an reibungslose Prozesse in der Outbound-Logistik. 80 Prozent aller hergestellten Pkw werden in mehr als 70 Länder weltweit exportiert.

„Unsere Kunden, die Fahrzeugkäufer und Zwischenhändler, fordern zunehmend eine transparente und konsistente Logistik in der Fahrzeugauslieferung. Diesen steigenden Anforderungen begegnen wir seit 2014 mit kontinuierlichen Verbesserungsprojekten in unterschiedlichen Prozessabschnitten der Distribution. Der Einsatz von RFID zur Fahrzeugidentifikation nach Fertigstellung war der erste Schritt, dem wir bis heute folgen“, fasst Manuel Medina die Optimierungsschritte der vergangene fünf Jahre zusammen.

Ausweitung der RFID-Lesepunkte auf dem Compound

Engmaschige Erfassung: von sechs auf 13 RFID-Gates!

Nach einer intensiven Test- und Proof-of-Concept-Phase seit 2011 rollte Seat eine RFID-Gate-Lösung mit sechs Lesepunkten auf dem Compound aus. Fertig produzierte Fahrzeuge konnten so bei der Verladung auf Züge erfasst werden. Ebenso fand ein Lesung der UHF-RFID-Tags an den Ausfahrten des Compounds statt. Im Jahr 2017 wurde die bestehende Lösung auf das Lkw-Ladeareal ausgeweitet und sieben zusätzliche RFID-Lesepunkte installiert.

Im Zuge dieses Upgrades kamen 2017 auf einer übersichtlichen Fläche sieben weitere Lesepunkte hinzu und ermöglichen so eine nahezu nahtlose Erfassung. „Mit den Gates von 2014 war die Registrierung freigewordener Stellplätze in Echtzeit ausschließlich im Bereich der Verladung von Pkw auf Züge möglich. Mit der Ausweitung der Lösung im Bereich der Lkw-Verladung, ist die Sichtbarkeit im Verladeprozess jetzt vollumfänglich gegeben“, erläutert Manuel Medina.

Kennzeichenerfassung kombiniert mit RFID

Automatische Datenintegration im Vorbeifahren!

„Die Einbindung von kamerabasierten Autokennzeichnungs-Lesegeräten begann 2017 an den Zufahrten zum Werksgelände. 2018 erfolgte die Ausweitung der Lösung auch im Bereich der Ausfahrten. Mit der Kennzeichenerfassung konnte der Grad der Transparenz stückweise erhöht werden. Jeder einfahrende Lkw wurde automatisch erfasst“, erläuterte Manuel Medina und führt aus: „Zwei Anforderungen konnte die Lösung jedoch nicht erfüllen: Die Nachvollziehbarkeit in der Datenbank war davon abhängig, dass sie von den Logistikservicedienstleistern kontinuierlich mit aktuellsten Informationen beliefert wurde. Die Identifikation von Subunternehmern war allein auf Basis der Kennzeichenerfassung nicht möglich.“

Die Lösung: In Kombination mit dem bereits im Einsatz befindlichen RFID-System wird die Erfassung von Autotransport-Lkws feingranularer aufgelöst. Sobald ein Lkw erfasst wird, findet automatisiert eine Integration des Nummernschildes in die Datenbank statt. Die Zulieferung von Informationen durch den Logistikdienstleister kann entfallen.

Papierlose Distribution

Sämtliche Logistikdaten begleiten die Auslieferung digital!

Eine weitere Anwendung ist die Einführung eines papierlosen Distributionssystems in der Seat-Fabrik in Martorell. Die Umsetzung wurde 2018 spezifiziert und soll 2019 ihren Betrieb aufnehmen. „Nahezu 100 Prozent des Dokumentenverkehrs in der Abwicklung mit Logistikpartnern fand in der Vergangenheit in Papierform statt. Die Prozesse waren dementsprechend langsam, arbeitsintensiv und fehleranfällig“, erläutert Manuel Medina.

Lkw-Fahrer erhielten ihre Unterlagen erst nachdem sie am Werksgelände eintrafen. Sowohl Fahrer als auch Seat-Mitarbeiter mussten Zeit investieren, die für keine Seite Mehrwerte generierte. Auch dem Betreiben und Pflegen der dafür vorzuhaltenden Infrastruktur steht kaum ein Nutzen gegenüber.

„Seit 2019 werden Transportdokumente digital an die Fahrer und Transportfirmen versandt, noch bevor diese die Fabrik erreichen. Im Werk selbst können dann bei Bedarf die Dokumente an Self-Service-Stationen ausgedruckt werden.“

Ein neues Distributions-IT-System

Die IT in der Distribution für die Zukunft rüsten!

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt der horizontalen Integration bereits erfolgter, vertikaler Prozessoptimierungen ist ein neues IT-System in der Neufahrzeugdistribution am Standort Martorell. Das 2017 mit ersten Entwicklungen gestartete Software-Projekt ermöglicht es, Daten und Informationen aus sämtlichen Prozessen zusammenzuführen.

„Gleichzeitig wird es durch das neue IT-System möglich, nicht nur Werksmitarbeitern in anderen Unternehmensbereichen, sondern auch Zulieferern und Dienstleistern, Informationen zur Verfügung zu stellen. Bei der Entwicklung stand eine komplett neue Ebene der Benutzerfreundlichkeit im Mittelpunkt. Auch die Effizienz und Web-Anbindungen wurden stark verbessert“, berichtet Manuel Medina.

Ein vollständig digitalisiertes Datenmanagement sowie das Teilen von Daten mit Zulieferern wird ein zentrales Feature für die Zeit nach der Inbetriebnahme 2019. „Die Verarbeitung einer deutlich umfangreicheren Menge an Daten aus unterschiedlichen Quellen der automatisierten Prozesse ist der Schlüssel. Der Zugewinn an Übersichtlichkeit ermöglicht vollkommen neue Optionen, um flexibel auf das Geschehen in der Distribution einzugehen“, ist sich Manuel Medina sicher.

Erzielte Benefits und die nächsten Schritte

Gesteigerte Produktivität, reduzierte Schadensfälle!

Bereits durch die vertikale Technologieintegration in den vier einzelnen Teilbereichen ergeben sich für Seat zahlreiche Vorteile in der Distributionslogistik. „Mit RFID erhöht sich eindeutig die Produktivität. Durch eine frühzeitige Information darüber, dass Fahrzeuge einen Platz verlassen haben, wird die Stellfläche effektiver genutzt. Die benötigte Arbeitszeit reduziert sich und parallel dazu auch Kosten und eventuelle Schadensfälle“, sagt Manuel Medina.

Durch die systematische Zusammenführung des RFID-Systems mit der Auslesung der Fahrzeugkennzeichen ist zu jedem Zeitpunkt die exakte Beladung der Fahrzeugzüge bekannt. Auf diese Weise können Schäden und die Verantwortlichkeit exakter nachvollzogen werden, so Manuel Medina. Auch konnte ein weiteres, wichtiges Ziel erreicht werden: „Aufgrund der transparenteren Datenlage konnten wir die Versicherungskosten für Regulierungen von Schäden auf dem Compound reduzieren.“

Horizontale Integration schafft Synergien in allen Bereichen!

„Die übersichtliche Visualisierung von Informationen im neuen System sorgt nicht nur für einen zusätzlichen Informationsgewinn, sondern auch für eine höhere Nutzerfreundlichkeit“, ist sich Manuel Medina sicher. Dank einer klareren Darstellung – trotz eines deutlich höheren Datenaufkommens – und einfacher herstellbaren Zusammenhängen, können bessere Entscheidungen getroffen werden.

Das technologische Update verbessert nicht nur die interne Kommunikation, sondern auch Zulieferer können nun unkomplizierter auf Anforderungen reagieren und Entscheidungen nachvollziehen. Auch die papierlose Distribution trägt zu einer höheren Informationsdichte bei und reduziert die Zeit, die Fahrer mit nicht für ihre Arbeit relevanten Tätigkeiten verbringen. Manuel Medinas Zwischenfazit aus den sich ausweitenden Digitalisierungsbestrebungen:

„Ich kann insbesondere zwei Punkte hervorheben, die ich selbst aus dem Transformationsprozess gezogen habe. Der Erste ist, dass bei den Vorteilen der Digitalisierung nicht vorrangig die Reduktion von Arbeitskräften im Fokus steht, sondern der Nutzen für alle Beteiligten. Der Zweite ist, dass die umfassenden Benefits einer horizontalen Integration von vertikalen Prozessoptimierungen bedürfen. Erst durch das Kombinieren von Technologien, Daten und Analysen kommt das volle Potential der Digitalisierung zum Tragen.“


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