RFID in 173 Stores

Stadium rollt RFID in 173 Stores aus

Der schwedische Sportartikelhändler war mit der Inventurgenauigkeit zufrieden – bis ein RFID-Pilot die tatsächlichen Zahlen aufzeigte.

Drei Jahre vom Testen bis zum Rollout

Mehr als 200 Stunden dauern die alljährlichen Inventuren pro Stadium- Filiale. Obwohl die Inventurergebnisse mit 98 - 99 Prozent auf den ersten Blick perfekt erscheinen, offenbarte ein genauerer Blick einen Fehlschluss: Da sich positive und negative Differenzen ausglichen, wurden Fehlbestände systemseitig „unsichtbar“.

Die Folge: Eine Bestandsgenauigkeit von gerade einmal 70 Prozent, fehlende Waren in den Filialen und zeitraubende Kommunikationswege bei der Fehlerdiagnose.

In einem Pilot Store testete das Unternehmen erfolgreich eine RFID-basierte Applikation in den Bereichen Inventur und Nachschubprozessen.

Johan Stenström, Supply Chain Developer bei Stadium, berichtet im Gespräch mit RFID im Blick, wie die Implementierung der Retail-Lösung Clarity des Anbieters SML zahlreiche Vorteile für das Unternehmen – auch über die eigentliche Zielsetzung hinaus – generiert.

Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Chefredakteurin
Lüneburg bei Hamburg, Deutschland
Jan Phillip Denkers
Jan Phillip Denkers
Stellvertretender Chefredakteur
Lüneburg, Deutschland

Erste Herausforderung: Unstimmigkeiten identifizieren

„Die erste Herausforderung, die es für Stadium zu bewältigen galt, war eine korrekte Identifikation von Unstimmigkeiten“, erläutert Johan Stenström, Supply Chain Developer bei Stadium.

„Bei unseren alljährlichen Inventuren erzielten wir Ergebnisse zwischen 98 und 99 Prozent. Augenscheinlich gab es also keinen Grund, am Inventurprozess Änderungen vorzunehmen.“

Dies änderte sich jedoch, als die Verantwortlichen bei Stadium sich die grundsätzliche Frage stellten, ob der bisherige Inventurprozess überhaupt den ursprünglich gesetzten Zielen gerecht wurde.

„Die Richtlinien für die Inventur wurden von Stadiums Finanzabteilung festgelegt. Deren Zielsetzung besagte, dass der finanzielle Wert des tatsächlichen Bestandes dem erwarteten Bestand im ERP-System entsprechen sollte. Tatsächlich glichen sich bei diesem Vorgehen negative und positive Differenzen gegenseitig aus, sodass das Ergebnis ein Gesamtumsatzwert war, der keine Aussage über die Genauigkeit des Warenbestandes zuließ.“

Die Ursachen fehlender Waren in den Stores ergründen

Damit einher ging auch noch eine weitere Herausforderung in der Warenlogistik, die im Rahmen der Prozessabläufe deutlich geworden war: „Von zahlreichen Store Managern haben wir das Feedback erhalten, dass ihnen immer wieder Waren auf der Fläche fehlten.“

Um der Ursache des Problems auf den Grund zu gehen, nahm Johan Stenström an Inventuren in den Stores teil, um die Prozesse mitzuerleben.

„Das Ergebnis war, das es nicht ein einzelnes systematisches, großes Problem gab, sondern zahlreiche kleinere, die in der Summe zahlreiche Prozesse negativ beeinflussten: komplizierte IT-Systeme, überfordertes Personal, Kommissionierfehler und Diebstähle. Jedes kleine Problem führt oft zu einer Ungenauigkeit der Inventur. Im Laufe der Zeit werden sich alle Ungenauigkeiten zu einem großen Problem summieren. Wenn man die Inventur nur einmal im Jahr durchführt, hat man am Ende eine geringe Bestandsgenauigkeit, was sich auf den Umsatz auswirkt. “

Zwei Herausforderungen – eine Lösung: RFID

„Um diese Probleme zu überwinden, war eine neue Perspektive auf den Themenkomplex Inventur notwendig“, stellt Johan Stenström dar.

„Wir benötigten einen neue KPI, um unseren Bestand vom Aspekt der Genauigkeit und nicht ausschließlich aus der finanziellen Perspektive zu betrachten. Als wir die Ergebnisse aus der ersten RFID-basierten Inventur sahen, war das Erstaunen groß – statt 98 Prozent Genauigkeit, wie vorher angenommen, lag diese gerade einmal bei 70 Prozent. Das war der Startpunkt für Stadium, RFID in die Logistik- und Filialprozesse einzubinden.“

Die Zielsetzung gab damit zwei Themenfelder vor, die direkt miteinander verknüpft waren: zum einen die Steigerungder Inventurgenauigkeit, zum anderen der Warennachschub fehlender Artikel in die Stores.

Eine übergreifende Lösung für die komplette Supply Chain

Bevor die Entscheidung auf eine Lösung von SML fiel, holte Stadium bei verschiedenen Unternehmen Angebote ein.

„Wir haben uns für die Lösung Clarity entschieden. Stadium hatte bereits in anderen Bereichen gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit SML gemacht. Stadium setzt seit einiger Zeit mit SML-Labeln ein Source Tagging um, sodass dieser Prozess bereits implementiert war. Das verhältnismäßig einfache Update auf RFID Source Tagging war gegeben. Der Handling-Prozess der Etiketten bei der Preisauszeichnung ist bereits etabliert. Somit mussten lediglich die herkömmlichen Preisaufkleber gegen RFID-Etiketten getauscht werden.“

Darüber hinaus bietet SML Clarity aber auch noch weitere Vorteile für Stadium, so Johan Stenström: „In der Lösung ist die komplette Supply Chain bedacht. Andere Anbieter haben ebenfalls starke Lösungen für die Filialen, aber unsere Planungen beinhalteten auch die Einbindung der Distribution Center in das System , um unter anderem Nachschubprozesse der Filialen vom Backstore auf den Sales Floor zu automatisieren.“

Drei Jahre vom Testen bis zum Rollout

Vor etwa zwei Jahren begann Stadium, sich mit der Implementation einer RFID-Lösung für die Logistikprozesse des Unternehmens auseinanderzusetzen. Mit der Umsetzung des Pilotstores befindet sich das Unternehmen derzeit im Roll-Out.

Im Frühjahr 2020 soll in allen 173 Filialen der RFID-Rollout planmäßig abgeschlossen sein.

Das Replenishment vom Backstore auf den Salesfloor automatisieren

„Früher, vor dem Einsatz von RFID, fragten Kunden das Verkaufspersonal, ob bestimmte Produkte auf Lager sind. Das Produkt konnte sich im Lagerbestand oder irgendwo auf der Verkaufsfläche befinden. Vielleicht hatte ein Kunde die Ware nicht an den vorgesehenen Ort zurückgebracht oder die Filiale hat es aufgrund mangelnder Bestandsgenauigkeit überhaupt nicht“, beschreibt Johan Stenström die Herausforderungen für die Mitarbeiter und skizziert:

„Wir stellen Verkäufer ein, weil sie gerne im Verkauf arbeiten. In der Realität ist die Suche nach Produkten jedoch ein großer Teil der Arbeit und ist eher eine logistische Tätigkeit als eine Verkaufsaktivität. Im Pilotstore sahen wir eine interessante Entwicklung: Die Kunden wandten sich nicht mehr an das Verkaufspersonal, um zu fragen, ob bestimmte Produkte auf Lager waren, da das gewünschte Produkt bereits im Verkaufsraum lag. Dies gibt dem Verkaufspersonal Zeit und ermöglicht es ihm, weniger mit Logistikaktivitäten und mehr mit Verkaufsaktivitäten zu arbeiten. Das Ergebnis ist genau das, was den Umsatz erhöht.“

STADIUM

Seit 45 Jahren ist Stadium im Bereich Sportartikel und -bekleidung aktiv in Europa. Das Familienunternehmen ist mit seinen insgesamt 173 Filialen und 3.800 Mitarbeitern vor allem in Schweden und Finnland präsent, betreibt aber auch Filialen in Deutschland.

Seit dem Onlinemarkteintritt 2007 hat sich der e-Commerce zu Stadiums größten Wachstumssektor entwickelt.

Mit der Einführung der Warenkennzeichnung mit RFID will das Unternehmen die Bestandsgenauigkeit stark steigern und so auch die Ladenbestückung optimal auf die Bedürfnisse der Kunden anpassen. Hören Sie Johan Stenström, Supply Chain Developer bei Stadium auf der RFID & Wireless IoT tomorrow 2019 am 29. und 30. Oktober in Darmstadt im Forum Retail!


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