Bild: RFID & Wireless IoT tomorrow

Harmonisierte UHF-Frequenzbänder ab 2020 in der EU?

Noch kein neuer veröffentlichter, harmonisierter Standard – Wie es jetzt weitergeht!

Anfang 2020 soll mit dem finalen Dokument des harmonisierten EU-Standards EN 302 208 die Nutzung des oberen UHF-Frequenzbandes europaweit möglich werden. Das ist ein Ergebnis des ETSI-Meetings in Sophia-Antipolis am 15. Oktober 2019.

Josef Preishuber-Pflügl, als Vice-Chairman ERM TG34 RFID bereits seit 2005 in der ETSI aktiv, brachte in seiner Keynote am 30. Oktober 2019 auf der RFID & Wireless IoT tomorrow die neusten Informationen aus dem Standardisierungsprozess mit.

„Seitens ETSI sind die Normungsarbeiten abgeschlossen. Jetzt liegt der Ball bei der EU-Kommission und den Mitgliedsstaaten, um die Nutzung zügig umzusetzen“, so Preishuber-Pflügl.

Aus diesem aktuellen Anlass lädt auch AIM Europe am 13. November 2019 zu einem Webinar, um alle Interessierten aus der RFID-Branche über die neusten Entwicklungen zu informieren.

Artikel zusammengestellt von RFID im Blick mit Informationen von Josef Preishuber-Pflügl, Vice-Chairman ERM TG34 RFID, ETSI, präsentiert auf der RFID & Wireless IoT tomorrow 2019.

Status Quo der EU-weiten UHF-Frequenzbandnutzung

Im Oktober 2018 erreichte die europäische UHF-RFID-Branche einen Meilenstein. Der Durchführungsbeschluss 2018/1538 der Europäischen Kommission ermöglichte die Nutzung der Frequenzbänder zwischen 915-921 MHz für UHF-RFID-Geräte in Europa. Damit wurde die Möglichkeit geschaffen, grundsätzlich das von ETSI in der EN 302 208 beschriebene Upper Band zu nutzen.

Im Kommissionsbeschluss wurden die Mitgliedsstaaten aufgerufen, bis zum 1. Februar 2019 Implementierungspläne zu entwerfen. Die Übernahme des EU-Beschlusses in nationales Recht ist die zwingende Voraussetzung, dass UHF-RFID-Anwender die zusätzlichen Frequenzbänder nutzen können.

Auf der RFID & Wireless IoT tomorrow motivierte Josef Preishuber-Pflügl die Stakeholder der RFID-Branche, sich bei den zuständigen Regierungsstellen für die zügige Umsetzung einzusetzen.

ETSI Upper Band ermöglicht verdoppelte Leistung

Das aktuell in allen EU-Mitgliedsstaaten für UHF-RFID-Kommunikation nutzbare ETSI Lower Band verfügt über vier Übertragungskanäle mit einer Breite von 200 kHz und einem Zwischenraum von je 600 kHz. UHF-RFID-Reader, die in diese Frequenzspektrum arbeiten, dürfen mit maximal zwei Watt Output arbeiten.

Das im Durchführungsbeschluss der EU-Kommission beschriebene Upper Band lässt eine Verdoppelung in allen Bereichen zu. Bei voller Implementierung steigt die Breite der Übertragungskanäle auf 400 kHz, der Abstand zwischen den Kanälen auf 1200 kHz und die maximale Sendeleistung der Reader steigt auf vier Watt.

Im Rahmen eines Treffens im Juli 2018 des Radio Spectrum Committee (RSC), welches in der EU für verantwortlich ist für spezifische technische Maßnahmen, die zur Umsetzung der breiteren Frequenzpolitik erforderlich sind, wurde für eine sogenannte „Squeeze Option“ zur Nutzung des Frequenzbandes zwischen 915 MHz und 919,4 MHz beschlossen.

Die Implementation ist EU-weit uneinheitlich

Trotz Kommissionsbeschluss und der Aufforderung, diesen bereits bis zum 1. Februar 2019 umzusetzen, ist mit Stand Ende Juni 2019 die Zahl der Länder, die das ETSI Upper Band zur Staaten-weiten Nutzung freigegeben haben, gering. Lediglich zehn der 28 Mitgliedsstaaten haben die durch den Beschluss gegebenen Möglichkeiten implementiert: Albanien, Dänemark, Estland, Ungarn, Irland, Luxemburg, Norwegen, Russland, Slowenien und das Vereinigte Königreich.

12 weitere Länder haben angekündigt, dass sie dem Durchführungsbeschluss folgen werden, jedoch ohne einen konkreten Zeitplan vorzulegen. Zwei Staaten, Italien und Zypern, führen Untersuchungen zur Implementation durch - ebenfalls ohne konkreten Zeitplan.

Österreich und Belgien haben erklärt, dass sie lediglich die beiden unteren Kanäle im Upper Band zur Nutzung von UHF-RFID-Kommunikation zulassen. Zwei Staaten, Niederlande und Deutschland, erlauben die Nutzung aktuell nicht.

Nationales Recht steht über EU-Beschlüssen

Im Durchführungsbeschluss aus dem Oktober 2018 wird von der EU-Kommission unterstrichen, dass,

„die Mitgliedstaaten weiterhin das Recht haben, ihre Funkfrequenzen für Zwecke der öffentlichen Ordnung und Sicherheit und der Verteidigung zu organisieren und zu nutzen, sollten es ihnen gemäß Artikel 1 Absatz 4 der Entscheidung Nr. 676/2002/EG auch weiterhin frei stehen, die bestehende und künftige Nutzung dieser und benachbarter Frequenzbänder für militärische Zwecke und für andere Zwecke der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu schützen, während sie gleichzeitig das Ziel verfolgen sollten, harmonisierte Mindestkernfrequenzbänder für vernetzte Geräte mit geringer Reichweite gemäß den in diesem Beschluss festgelegten technischen Bedingungen verfügbar zu machen.“

Somit sind die Staaten zwar aufgefordert, die Nutzbarkeit von UHF-RFID für Unternehmen aktiv durch die Implementation des Beschlusses zu fördern. Gleichzeitig kann jedoch jeder Staat mit Verweis auf öffentliche Sicherheitsbelang die Nutzung des Upper Bands teilweise oder komplett untersagen.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Seitens ETSI wurde EN 302 208 im Juni 2019 zum Feedback versandt. Die Arbeiten seitens ETSI wurden im September 2019 abgeschlossen und für Oktober 2019 war vorgesehen den Standard von der ETSI für die erste europaweite Abstimmung freizugeben. Leider machen eine neue Anforderung von der Europäischen Kommission zusätzliche Testmethoden erforderlich.

Laut Josef Preishuber-Pflügl ist derzeit weiterhin damit zu rechnen, dass die nächste Abstimmung zum Dokument noch 2019 beginnen kann, sofern nicht zum dritten Mal plötzlich neue Vorgaben seitens der Europäischen Kommission kommen.

Die finale ETSI EN 302 208 wird jedoch erst im Laufe des Jahres 2020 verfügbar sein. Mit einer Implementation des Beschlusses der Europäischen Kommission (915 – 919.4 MHz für RFID freizugeben) durch die Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten rechnet der Standardisierungsexperte nun mit Anfang 2020.

Die Implementation des zugehörigen Teststandards EN 302 208 durch die EU-Mitgliedstaaten wird sich wohl auf die zweite Jahreshälfte verschieben, sofern nicht weitere neue Änderungen seitens der Europäischen Kommission definiert werden.

AIM-Webinar zum Status-Quo

In der EU hat Frithjof Walk, Präsident von AIM Europe, zum Webinar "Frequency Bands in Europe – Milestones Achieved and Important Next Steps" eingeladen. Im einstündigen Online-Seminar werden Josef Preishuber-Pflügl und Steve Halliday, Präsident der RAIN Alliance einen Überblick über den aktuellen Status, die zu bewältigenden Herausforderung sowie die Benefits der Harmonisierung geben.

Das Webinar findet am 13. November 2019 in der Zeit von 14:00 Uhr bis 15:00 Uhr statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Registrierung vorab ist erforderlich.

Niklas Van Bocxlaer
Niklas Van Bocxlaer
Exhibition Manager
Lüneburg bei Hamburg, Deutschland
Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Chefredakteurin und Konferenzmanagerin
Lüneburg, Deutschland
Jan Phillip Denkers
Jan Phillip Denkers
Stellvertretender Chefredakteur
Lüneburg, Deutschland
Vanessa Tan
Vanessa Tan
Redakteurin
Lüneburg, Deutschland
Cookies are necessary to provide you with our services. By continuing your visit on the website, you consent to the use of cookies.
More information Ok