Instrumenten-Tracking

Sicherheit und Effizienz mit Track & Trace direkt im OP

Im Reinier de Graaf Hospital konnte ein RFID-basiertes Instrumenten-Tracking seine Funktion und Benefits während einer OP live unter Beweis stellen.

Langjährige Forschung zahlt sich aus!

Für Chirurgen stehen während einer Operation zwei Aspekte im Vordergrund: Erstens die Sicherheit des Patienten und zweitens die Effizienz des gesamten Operationsprozesses. Operationszeit ist die kostspieligste Zeit in einem Krankenhaus. Jede eingesparte Minute sorgt für eine Entlastung des Gesundheitssystems. Und jede Lösung zur Erhöhung der Sicherheit der Patienten im OP ist grundsätzlich die richtige Lösung.

In einem zweijährigen Forschungsprojekt untersuchte die Ärztin und TU-Delft-Doktorandin Frédérique Meeuwsen, wie beide Aspekte durch den Einsatz von Technologie bestmöglich berücksichtigt werden können. Die Forschungsarbeit endete im Februar mit einem ersten Live-Einsatz während einer laparoskopisch durchgeführten Operation eines Leistenbruchs.

Erstmals konnte die im Forschungsprojekt entwickelte RFID-Tracking-Lösung für Instrumente, die während einer Operation eingesetzt werden, die Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Jetzt sollen die Ergebnisse aus den Forschungsarbeiten in skalierbare Lösungen überführt werden. Neben der Erhöhung der Patientensicherheit und Steigerung der Effizienz bei OPs, gibt es weitere Zielsetzungen basierend auf der RFID-Kennzeichnung von Instrumenten.

Zusammengestellt von RFID im Blick mit Informationen von Frédérique Meeuwsen, Doktorandin an der TU Delft, das Reinier de Graaf Hospital in Delft und Van Straten Medical.

Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Chefredakteurin
Lüneburg bei Hamburg, Deutschland
Jan Phillip Denkers
Jan Phillip Denkers
Stellvertretender Chefredakteur
Lüneburg, Deutschland

Vorreiterprojekt: Umfassend getaggte OP-Instrumente im Einsatz

Im Februar 2019 war es nach intensiven Vorstudien über insgesamt rund zehn Jahre und einer zweijährigen konkreten wissenschaftlichen Betrachtung so weit: Das Reinier de Graaf Hospital in Delft wurde zu einem der ersten Krankenhäuser weltweit, in dem Chirurgen eine RFID-Lösungen direkt im im Operationssaal testen.

Bei der für das Reinier de Graaf Hospital entwickelten Applikation sind sämtlich zum Einsatz kommende medizinische Instrumente mit einem miniaturisierten RFID-Tag gekennzeichnet. Die Kennzeichnung ermöglicht es, alle eingesetzten Instrument live und in Echtzeit auf einem Dashboard direkt am OP-Tisch zu verfolgen und zu überwachen.

Das RFID-Projekt im Operationssaal erfolgte in Zusammenarbeit mit der TU Delft, Van Straten Medical, einem Hersteller medizinischer Instrumente, sowie dem chirurgische Forschungsteam des Krankenhauses Reinier de Graaf unter der Leitung der Ärztin und Doktorandin Frédérique Meeuwsen von der TU Delft.

Langjährige Forschung zahlt sich aus

Die Forschung und Entwicklung von Lösungen zur Optimierung der Prozesseffizienz im Operationssaal startete an der TU Delft bereits vor rund zehn Jahren. Für Associate Professor Dr. John van den Dobbelsteen ist das RFID-basierte Tracking&Tracing chirurgischer Instrumente ein Teil des digitalen Systems „Safe Surgical Signature“.

Welche Schritte die Digitalisierung dieses Bereiches genommen hat, veranschaulicht die Tatsache, dass vor sieben Jahren lediglich große Instrumente oder Racks mit RFID-Tags ausgestattet wurden, die damals so groß waren wie Pillenboxen. Kleinere Instrumente wurden mit farbigen Kunststoffringen oder Barcodes gekennzeichnet.

Einer der Leitgedanken von „Safe Surgical Signature“ ist, dass die automatische Registrierung von chirurgischen Instrumenten via RFID das Ende einer Operation signalisieren kann. Dieses Signal, weitergeleitet an das Personal außerhalb des Operationssaales, führt dazu, dass kein Zeitverlust bei der OP-Vorbereitung des nächsten Patienten entsteht.

Daten zu Nutzung und Wartung können dokumentiert werden

Jeroen Koffeman, Master-Student an der TU Delft, hat unterschiedliche Stahlbefestigungen für RFID-Transponder an verschiedenen Instrumenten entworfen, die ausreichend robust gestaltet sind, um die unterschiedlichen Sterilisationsprozesse samt Hitze, Chemikalien und hohen Drücken zu überstehen. Van Straten Medical stellte basierend auf diesen Prototypen ein komplettes OP-Instrumenten-Set her.

Während der Operation erfassen RFID-Antennen, die an Pfosten in direkter Nähe neben dem Patienten installiert sind, sämtliche markierte Instrumente, die in den direkten Operationsbereich geholt oder entfernt werden. Der OP-Instrumentenhersteller Van Straten sieht in den erfassten Daten das Potenzial für weitere Anwendungen. So könnte das System erweitert werden, um nachzuverfolgen, wie oft ein spezifisches Instrument benutzt wird.

„Der Einsatz der RFID-Technologie leistet auch einen großen Beitrag zu einem effizienten Instrumentenmanagement und Nachhaltigkeit in der Pflege. Track & Trace ermöglicht die Information, ob eine ausreichende Versorgung besteht und wann Instrumente ersetzt oder gewartet werden müssen. Unser Ziel ist es, Instrumente durch Reparatur und Überholung länger zu nutzen. Oder, wenn sie nicht mehr verwendet werden können, um sie einzuschmelzen, so dass Krankenhausabfälle zu einem neuen Rohstoff für neue Produkte werden. Das bringt erhebliche Einsparungen für die Krankenhäuser und trägt zu unserem Ziel bei, Medizinprodukte in einem Kreislauf nutzen zu können“, sagt Bart van Straten, General Manager von Van Straten Medical.

Patientenversorgung verbessern, Kosten einsparen

„Indem wir gemeinsam innovativ sind und nach vorne schauen“, sagt Maarten van der Elst, Unfallchirurg am Reinier de Graaf Hospital und Koordinator des chirurgische Forschungsteams, „können wir die Patientenversorgung mit guten Ideen und Technologien verbessern. Als Chirurgen konzentrieren wir uns auf die Sicherheit und Effizienz der Patienten, denn die Operationszeit ist die teuerste Zeit in einem Krankenhaus. Und vor allem die Patienten legen einen hohen Wert auf ihre Sicherheit. Deshalb haben wir dieses System entwickelt, mit dem wir beide Ziele erreichen können. Da wir sämtliche Instrumente überwachen können, wissen wir mit Sicherheit, dass jedes Instrument, das in den Operationsaal gebracht wird, diesen auch wieder verlassen wird. Mit diesem Track-and-Trace- System erfolgt die Zählung automatisch und das spart Zeit. Es entlastet die Assistenten, damit sie sich auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren können: die Versorgung der Patienten.“

Erfolgreicher Proof-of-Concept, aber (noch) kein Rollout

Trotz der vielversprechenden Vorteile werden RFID-Tags im Delfter Krankenhaus nicht im Standardbetrieb eingesetzt. Die Forschungsarbeiten samt der Live-Demonstration waren für das Entwicklungsteam ein erfolgreicher Proof of Concept und ein weiterer Schritt in Richtung eines digitalen Operationssaals der Zukunft.


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