KI & Roboter-Technologie

Zebra bringt KI & Roboter-Technologie in den Einzelhandel

Der fast zwei Meter hohe Roboter EMA50 realisiert verschiedene Anwendungsszenarien im Einzelhandel.

Der erste Roboter im Lebensmitteleinzelhandel!

Die „2020 Shopper Study“ von Zebra Technologies belegt, dass 75 Prozent der befragten Millennial-Kunden und mehr als 50 Prozent der Generation-X-Kunden, die Produkte online bestellen, vorher Ladengeschäfte besucht haben. Ein Hauptgrund für den Online-Kauf ist die unzureichende Warenverfügbarkeit im stationären Einzelhandel. Diese Situation führt zu einer hohen Anzahl an Kundenbeschwerden und erzeugt bei 43 Prozent der Mitarbeiter im Einzelhandel Unzufriedenheit am Arbeitsplatz. 39 Prozent der befragten Verbraucher bestätigten, bereits mindestens einmal ein Lebensmittelgeschäft ohne Einkauf verlassen zu haben, da das gewünschte Produkt nicht vorrätig war.

Diesen Bestandsmangel will Zebra mit der SmartSight-Lösung beseitigen. Zielsetzung ist die Erhöhung der Warenverfügbarkeit auf ein Maximum. Zur Lösung gehören der Roboter EMA50, eine Softwareplattform sowie Professional und Managed Services.

Alexander Honigmann, Sales Director Retail and Logistics Germany, Zebra Technologies, im Interview mit RFID im Blick.

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Der fast zwei Meter hohe Roboter EMA50 realisiert verschiedene Anwendungsszenarien im Einzelhandel. Die modulare Plattform mit Kameras, einem WiFi-Kommunikationsmodul und Sensoren macht ihn zu einem flexiblen Assistenten.

Robotik

Der erste Roboter im Lebensmitteleinzelhandel

Im Vorbeifahren erfasst EMA50 Waren, Preise und genaue Warenplatzierungen sowie zahlreiche weitere Parameter. Der EMA50 ist laut Alexander Honigmann der erste Roboter, der speziell für Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels entwickelt wurde und nicht nur Daten erfasst, sondern auch Verbesserungs- oder Lösungsvorschläge unterbreitet.

Der EMA50 navigiert autonom über die Ladenfläche und erzeugt mit Hilfe der verbauten, optischen Sensorik eine Zwillings-3D-Rendering- Darstellung des Stores und der Regalanordnung. Bereits während der Erfassung ermittelt EMA50 Probleme mit der Lagerhaltung, der Preiskonsistenz oder der Einhaltung von Planogrammen. Sämtliche erfassten Daten werden direkt im Roboter verarbeitet. Der EMA50 ist die physische Schnittstelle zwischen den Waren und der Business Intelligence im Hintergrund.

SmartSight registriert den Status der Warenverfügbarkeit und gibt die Daten an die Warenbestellung weiter. Konkrete Handlungsanweisungen für verantwortliche Storemanager oder die Mitarbeiter auf der Verkaufsfläche sind das Ziel. „Das ist aus unserer Sicht unabdingbar – und gleichzeitig ein absolutes Alleinstellungsmerkmal von SmartSight“, sagt Alexander Honigmann.

X Augen sehen mehr als 2

Warenverfügbarkeit und Kundenzufriedenheit sind starke Einflussfaktoren auf die Kundentreue. Warenverfügbarkeit zu erzielen ist im Lebensmitteleinzelhandel zeit- und arbeitsintensiv. „Lebensmittelgeschäfte stoßen zunehmend an Grenzen“, sagt Alexander Honigmann und führt aus: „Die ‚klassische’ Herangehensweise baut auf einen hohen Personaleinsatz und preist quasi unzufriedene Kunden mit ein.“ Lücken in Regalen, fehlerhafte Preisauszeichnungen und nicht eingehaltene Planogramme sind „Show-Stopper“ beim Umsatz.

Der Roboter EMA50

Der EMA50 ist 1,98 Meter hoch und hat eine Grundfläche von 62 mal 60 Zentimeter. Nach einer Aufladezeit von zwei Stunden kann der Roboter bis zu vier Stunden autonom durch einen Store fahren. Die lange Laufzeit ermöglicht die effiziente Erfassung großer Datenmengen. Parallel reduziert die Anzahl benötigter Umläufe die Ladezeit und spart damit Stromkosten. Der EMA50 bewegt sich vollkommen autonom. Je nach Anforderung fährt der Roboter festgelegte Routen oder bewegt sich nur in bestimmten Bereichen.

Hindernisse oder versperrte Gänge werden gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt automatisch erneut angefahren. Die integrierte Sensorik, unter anderem 2D- und 3D-Sensoren, sorgt für kollisionsfreies Fahren trotz hoher zu erreichender Geschwindigkeit. Ist ein Auftrag erledigt oder die Batteriekapazität neigt sich dem Ende zu, navigiert der EMA50 autonom zu seiner Ladestation.

Seit Januar 2020 rollt EMA50 im Handel

Der EMA50 samt der SmartSight-Lösung feierte seine Weltpremiere im Januar 2020 in New York. Einzelhändler außerhalb Europas fahren bereits seit Ende 2019 Tests in ihren Stores. Wie Alexander Honigmann berichtet, ist das Interesse von Lebensmittelhändlern in Deutschland hoch.

„Wir führen zahlreiche Gespräche und eruieren gemeinsam mit interessierten Händlern, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, um EMA50 einzusetzen.“

Sind grundlegende Anforderungen an die Infrastruktur erfüllt, kann der Roboter ohne umfassende Vorbereitung losrollen. Geeignet für den Einsatz ist der EMA50 für eine große Bandbreite an Stores: Ein einziger EMA50 kann Filialen mit einer Fläche von 840 bis 23.000 Quadratmetern abdecken.

Datenanalyse

Apps und Insights auf neuem Level

EMA50 liefert die benötigten Daten direkt aus den Regalen. Wird SmartSight mit Prescriptive Analytics kombiniert kann ein Store mit diesen Daten und zusätzlichen Informationen beispielsweise auf plötzliche Wetteränderung – und einem dadurch verändertem Kaufverhalten – genauso eingehen wie auf wiederkehrende Events wie Wochenenden oder Ferienzeiten. Die Analyse der KI-Daten unterstützt den Mitarbeiter mit detaillierten Handlungsempfehlungen. Das Resultat ist ein optimiertes Warenangebot.

Immer passende Regalbestückung

Die von EMA50 erfassten und verarbeiteten Informationen werden in einer Cloud-basierten Analyse zu Empfehlungen transformiert, um Handlungsanweisungen geben zu können. Die geteilte Datenanalyse reduziert den notwendigen Datentransfer auf ein Minimum. Die Softwareplattform bestimmt die nötigen Korrekturmaßnahmen und kann dem mobilen Computer eines Filialmitarbeiters nahezu in Echtzeit eine Aufgabe zuweisen.

„SmartSight ist sowohl Software- als auch Hardware-seitig modular. Wir können Datenanalyse und Ausgabe von Handlungsempfehlungen nach Kundenvorstellung realisieren. Die Ausgabe der Empfehlungen kann zentral an den Marktleiter aber auch direkt auf ein Handheld oder Tablet von Mitarbeitern auf der Fläche erfolgen“, erläutert Alexander Honigmann.

Künstliche Intelligenz

Zebras KI-Plattformen entlasten Mitarbeiter

Eine KI-basierte Lösung soll nach einer „Anlernphase“ zu einem hohen Anteil selbstständig agieren und menschliche Zuarbeit weitestgehend überflüssig werden lassen. Mit SmartSight halten auch KI-basierte Anwendungen Einzug in den Lebensmitteleinzelhandel. Sowohl der EMA50 als auch die Systeme im Hintergrund sind selbstlernend. Lehnt ein StoreManager bestimmte Handlungsempfehlungen ab, wird dies in die nächste Analyse einbezogen.

Ebenso ist Zebra in der Lage, nahezu jegliche relevanten Event-Daten in Analysen, Empfehlungen und automatisierte Bestellprozesse einzubeziehen. Steht eine Schlechtwetterzeit bevor? Starten die Sommerferien? Was berichten die Nachrichten? Welche Werbe-Kampagnen sind geplant? Diese Vielfalt an externen Informationen unterstützen vorausschauende Handlungsempfehlungen.

Technologie

1. „SmartLens“

Steht mit SmartSight aktuell ein aktives Roboter- basiertes System in den globalen Startlöchern, bietet Zebra Technologies mit der SmartLens-Lösung eine bereits etablierte Anwendung für Handelsunternehmen außerhalb des Lebensmittelsektors. Unterschiedliche, fest in einem Store verbaute Sensoren erfassen automatisch Daten zu Waren, Kunden, Mitarbeitern und Assets. SmartLens baut auf Kameras und RFID als Erfassungstechnologien auf.

Die vier unterschiedlichen Sensoren – RFID Transition Point, RFID Backroom, Sensing Network Appliance und RFID Point of Sale Lane SmartLens-Sensor – sind speziell für Aufgaben in den verschieden Store-Bereichen konzipiert.

2. „SmartLens Data Analytics Engine“

Die von Zebra entwickelte „SmartLens Data Analytics Engine“ aggregiert die Rohdaten der vier unterschiedlichen Sensoren. RFID-, Mikrolokalisierungs- und Videodaten werden analysiert und in einen Zusammenhang gebracht. Das so entstehende Wissen erzeugt einen feingranularen Einblick in alle Store-relevanten Prozesse vom Bestandsmanagement über Nachschubprozesse aus dem Backstore bis hin zu automatisierten Warennachbestellungen.

„Die Kommunikation verläuft in Echtzeit. Mitarbeiter erhalten unmittelbar Nachrichten, Anweisungen oder Alarme direkt auf ihr Mobilgerät”, erklärt Alexander Honigmann. Analog zum E-Commerce wird im Store die Visibilität von Warenkorbveränderungen und -bewegungen – ohne die Erfassung des Nutzers – möglich.

3. ZQ630 mobiler RFID-Drucker

Neben komplexen innovativen Lösungen wie SmartSight oder SmartLens verfügt Zebra über ein differenziertes Hardwareportfolio, um verschiedenste Anforderungen im Handel abzudecken. „Jede RFID-Lösung beginnt mit RFID-Etiketten. Mit stationären und mobilen RFID-Druckern wie dem ZQ630 können Einzelhändler jedes benötigte Label in hoher, gleichbleibender Qualität bedrucken und bei Bedarf eigenständig kodieren.“

4. FX7500 Fixed RFID Reader

Zebra Technologies hält mehr als 300 RFIDTechnologie- Patente, die in einem umfassenden Portfolio von stationären Lesegeräten und dazu passenden Antennen eingesetzt werden. Für Anwendungen in der Produktion, der Logistik oder direkt in Stores bestehen zahlreiche Optionen, beispielsweise aufbauend auf den FX7500, um leistungsstarke Lesesysteme zu integrieren.

5. RFD8500 Handheld

Das Zebra-RFID-Portfolio umfasst eine breite Palette an mobilen Handgeräten, die speziell auf Anforderungen aus dem Retail-Sektor zugeschnitten sind. „Sämtliche Zebra-Hardware- Komponenten, wie der RFD8500, sind untereinander nahtlos kompatibel. So können im Zebra-KI-Ökosystem beispielsweise alle erhältlichen Zebra-Mobilgeräte eingesetzt werden. Auch die Einbindung jeglicher Kunden-Systeme ist über Zebra Prescriptive Analytics nahtlos möglich“, berichtet Alexander Honigmann.

Strategie

Cortexica und Profitect übernommen

Um den Herausforderungen – unzureichende Warenverfügbarkeit, Personalknappheit, wachsende Konkurrenz durch E-Commerce – zukunftsfähig zu begegnen, ist der Einsatz von Technologie ein probates, wenn nicht sogar zwingendes Mittel. Mit der Entwicklung einer Roboter-basierten Unterstützungslösung für den Handel hat Zebra einen vollkommen neuen Ansatz gewählt.

„Zebra-Technologie vom Barcode bis zur RFID- und Kamera-basierten SmartLens-Lösung sind in unzähligen Handelsunternehmen seit Jahren tagtäglich im Einsatz. Mit einer Roboterentwicklung betreten wir einen komplett neuen Weg“, unterstreicht Alexander Honigmann und fokussiert: „Was Zebra vom Gros der Roboter-Entwickler unterscheidet, ist: Wir sind kein Start-up. Wir verfügen über umfassendes Branchen- und Technologie- Know-how, welches wir in die Entwicklung von EMA50 eingebracht haben.“

Unterstützt wird die Entwicklung maßgeblich von den zwei erwähnten Unternehmensakquisitionen, die 2019 vollzogen wurden.

Information schafft den Vorsprung

Die Akquise von zwei hochspezialisierten Unternehmen in 2019 hat die SmartSight-Entwicklung maßgeblich unterstützt. „Mit Cortexica Vision Systems haben wir unser Know-how im Bereich der B2B-Lösungen für computergestützte künstliche Intelligenz deutlich ausgeweitet. Cortexica hat visionsbasierte Analyse- und KI-Lösungen entwickelt, die jetzt in SmartSight für die Auswertung der Kamerabilder von EMA50 Anwendungen finden“, berichtet Alexander Honigmann und führt aus:

„Entscheidend für die vorausdenkenden Features von SmartSight war darüber hinaus die Akquise des Unternehmens Profitect. Die Kombination von Profitect mit SmartSight ermöglicht es heute Bestandsgenauigkeiten, nicht vorrätige Waren, Preisgenauigkeit, unverkäufliche Waren und Sortimentsdiskrepanzen zu erkennen und exakte in die Zukunft gerichtete Handlungsempfehlungen zu generieren.“

Business Intelligence

Die reine Erfassung von Daten kann immer nur ein Teil vom ganzen Bild sein, wie Alexander Honigmann unterstreicht: „Einem Händler hilft es nicht, wenn er einfach nur erfährt, dass ein Produkt in einem Regal fehlt.“ Erst konkrete Handlungsempfehlungen können in der Praxis umgesetzt werden. Um diese Handlungsempfehlung zu generieren, müssen Analyse und Bewertung exakt abgestimmt sein. Ist das nicht der Fall, hilft auch der schnellste Roboter nicht weiter.

„Informationen müssen zu Wissen werden und dieses Wissen schafft die Grundlage für die richtigen Entscheidungen. Das ist eine Form von Business Intelligence, von der nahezu jeder Lebensmitteleinzelhändler unmittelbar in seinen täglichen Planungs- und Steuerungsprozessen profitieren kann“, so der Zebra Sales Director.

KI und Tools zur Datenanalyse

SmartSight kann, dank der eingebetteten KI, tägliche Aufgaben in einer Einzelhandelsumgebung übernehmen. Das schafft Freiräume für Mitarbeiter. Die Beratung und Serviceleistungen für Kunden können mehr Raum einnehmen. SmartSight schafft mit einer Kombination aus manueller Datenbereitstellung durch das Handelsunternehmen und KI-basierten Selbstlernfunktionen der Datenanalyseplattform und des Robters eine autonome Mitarbeiterunterstützung auf der Store-Fläche.

Durch eine bessere Nutzung der Arbeitskräfte in den Filialen, sowie der Reduzierung von möglichen Bußgeldern bei Nichteinhaltung von Preisvorgaben, können Einzelhändler die Store-Betriebskosten dauerhaft senken. Bessere Warenverfügbarkeit führt zu höherer Kundenzufriedenheit.

Zebra Technologies

Company Snapshot

Zebra Technologies wurde 1969 gegründet und ist heute mit 10.000 Vertriebspartnern und rund 7.400 Mitarbeitern in über 100 Ländern weltweit vertreten. Die Fokus- Branchen sind Handel, Logistik, Gesundheitswesen und industrielle Produktion. Das Zebra-Portfolio umfasst RFID- und Barcode-Lösungen, Mobile Computing, Datenerfassung, Standortbestimmung, Datenplattformen, Software, Dienstleistungen und Verbrauchsmaterialien. Der Umsatz 2018 weltweit lag bei 4,22 Milliarden US-Dollar. 

Alexander Honigmann

Der Sales Director Retail and Logistics Germany ist bereits seit 15 Jahren bei Zebra Technologies. Er ist verantwortlich für die Umsetzung der Vertriebsstrategie von Zebra Technologies in Deutschland und ermöglicht dem Zebra-Kunden, einen Leistungsvorsprung zu erzielen und die im Hinblick auf die On-Demand- Wirtschaft erforderliche digitale Transformation in Angriff zu nehmen. 

Unsere Produkte

EMA50 Retail Roboter
Mobiler RFID-Drucker ZQ520
MC9190-Z RFID-Lesegerät
AN440 RFID-Antenne
Sven Biermann
Sven Biermann
Regional Sales Director Printing & Scanning D/A/CH
Düsseldorf, Deutschland
Daniel Dombach
Daniel Dombach
Director EMEA Industry Solutions
Düsseldorf, Deutschland
Alexander Honigmann
Alexander Honigmann
Sales Director Retail and Logistics Germany
Idstein, Deutschland
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