Gemeinsam mit Projektpartnern untersuchen Forscher des Fraunhofer IAO Möglichkeiten zur wirtschaftlichen und verkehrsökologisch optimierten Nutzung autonomer Fahrzeugflotten in Mobilitäts- und Logistikservices.

Autonome Fahrzeuge ideal auslasten mit KI

Landing Page: https://www.keim.iao.fraunhofer.de/de/projekte/KI4ROBOFLEET.html

Forschungsprojekt „KI4ROBOFLEET" sucht nach neuen Anwendungsszenarien für selbststeuernde Fahrzeuge!

Innerhalb der kommenden Dekade werden autonome Fahrzeuge fester Bestandteil unseres Mobilitätsalltages sein. Ganze Flotten können dann selbststeuernd Aufgaben übernehmen, die bislang von Menschen kontrolliert wurden. Diese Entwicklung kann positive Auswirkungen auf eine wirtschaftliche und verkehrsökologisch optimierte Nutzung von Mobilitäts- und Logistikservices haben.

Davon sind die Forscher am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO überzeugt.

Im Interview mit RFID im Blick berichtet Ilko Hoffmann, Projektleiter am Fraunhofer IAO, über die Ziele des Projektes „KI4ROBOFLEET“ und gibt einen Ausblick wie KI dabei unterstützen kann, eine ökonomische und nachhaltige Mobilität zu etablieren. 

„Aus Sicht der Forschung ist klar: Arbeiten zu den Möglichkeiten und Risiken von KI müssen auf breiter Basis stärker gefördert werden, damit Deutschland im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig bleiben kann“, sagt Ilko Hoffmann.

Anja Van Bocxlaer
Anja Van Bocxlaer
Chefredakteurin
Lüneburg bei Hamburg, Deutschland
Jan Phillip Denkers
Jan Phillip Denkers
Stellvertretender Chefredakteur
Lüneburg, Deutschland

Mobile Geschäftsmodelle vollkommen neu denken

Mit der Entwicklung autonom steuernder Fahrzeuge befinden sich die Mobilitäts- und die Logistikbranche im Umbruch.

„Zahlreiche etablierte Bereiche sind von diesem Wandel betroffen. Taxiunternehmen, Tankstellenbetreiber oder Unternehmen, die Parkhäuser und Parkplätze betreiben – Autonome, elektroangetriebene Fahrzeuge werden diese bisher stabilen Strukturen aufbrechen. Mit KI4ROBOFLEET sollen bereits jetzt erste Antworten auf zukünftig in den Vordergrund rückende Fragen gegeben werden“, sagt Ilko Hoffmann und blickt voraus:

„Übergeordnetes Ziel des bis Ende 2020 laufenden Verbundprojektes ist es, zu beleuchten, wie autonome Carsharing-Fahrzeuge auch abseits des wahrscheinlichen Haupteinsatzgebietes des Personentransports effektiv genutzt werden können.“

Analyse realer Verkehrsdaten als Grundlage

Dem Projektkonsortium gehören, neben dem Fraunhofer IAO, die Hochschule Esslingen und die beiden klein- und mittelständischen Unternehmen PAN GEO Gesellschaft für Angewandte Geographie mbH und die Stadtmobil Rhein-Neckar AG an. Als wichtige Analysegrundlage bringt Stadtmobil reale Carsharing-Nutzungsdaten aus Mannheim und Heidelberg in die Forschungsarbeit ein.

Zwei Hauptfragestellungen will das Konsortium in den kommenden anderthalb Jahren beantworten, so Projektleiter Hoffmann:

„Wir werden Antworten formulieren auf die Fragen, welche neuen Möglichkeiten sich aus der Nutzung von autonomen Fahrzeugen in Fahrzeugflotten ergeben. Darüber hinaus soll definiert werden, welche technischen Anforderungen sich aus der Integration selbststeuernder Fahrzeuge in Carsharing-IKT-Systeme ableiten lassen.“

Mobilitätsanalysen und Simulationen zur Bewertung von KI-Technologien

Die gewonnenen Analysedaten sollen, so Ilko Hoffmann, dazu beitragen, Verkehrssimulationen durchführen zu können: „Während der Projektlaufzeit werden wir Einsatzmöglichkeiten selbstlernender Algorithmen und KI-Technologien überprüfen und für spezifische Anwendungsszenarien bewerten.

Ziel dieses Abgleichs ist es, bereits heute definieren zu können, welche KI-Anwendungen im Integrationsprozess autonomer Fahrzeuge beispielsweise in Carsharing-Flotten zukünftig einsetzbar sind.“

Paketlieferant und Energiespeicher

Zwei Optionen der besseren Auslastung von autonomen Fahrzeugen hat das Konsortium bereits im Blick.

„Um autonome Fahrzeuge nicht nur am Tag zum Personentransport einzusetzen, ist es beispielsweise denkbar diese nachts als Energiespeicher einzusetzen, um kurzfristige Energieengpässe abzufedern – und zwar exakt da, wo sie benötigt werden. Eine weitere Möglichkeit einer alternativen Nutzung besteht darin, die autonomen Fahrzeuge nachts, anstatt zu parken, logistische Aufgaben übernehmen zu lassen, um beispielsweise Pakete im Stadtgebiet zu transportieren“, so Ilko Hoffmann.

Offene Fragestellungen brauchen Antworten

Laut Ilko Hoffmann steht die Technologie zur Realisierung autonomer E-Fahrzeuge kurz davor den benötigten Reifegrad zu erreichen. „Rund um den Globus sind autonome Fahrzeuge bereits im Testbetrieb und sammeln unzählige Kilometer. Die dabei generierten Daten werden kontinuierlich genutzt, um die notwendige Technologie weiter zu optimieren.

Die Hardware, also die Fahrzeuge selbst, sind für das Autonome Fahren nicht die entscheidende Hürde. Vielmehr sind es andere Fragen, die es zu beantworten gilt.“ Als Beispiele führt Ilko Hoffmann sicherheitsrelevante, rechtliche und auch ethische Aspekte an.

„Autonome Fahrzeuge werden von einer zentralen Instanz gesteuert – wie kann sichergestellt werde, dass Hacker keine Chance zur Manipulation haben? Wem gehören die Daten, die autonome Fahrzeuge in umfangreichen Mengen produzieren, oder wer schreibt den Algorithmus, der Entscheidungen in kritischen Verkehrssituationen trifft? Um diese Fragen beantworten zu können, braucht es weitergehende, wissenschaftliche Untersuchungen.“

KI: Wo steht Deutschland im europäischen Vergleich?

„Aus Sicht der Forschung ist klar: Arbeiten zu den Möglichkeiten und Risiken von KI müssen auf breiter Basis stärker gefördert werden, damit Deutschland im internationalen Umfeld wettbewerbsfähig bleiben kann“, sagt Ilko Hoffmann und ergänzt:

„Mit Blick auf die Entwicklung autonomer, elektroangetriebene Fahrzeuge ist in der deutschen Automobilindustrie die technologische Basis auf jeden Fall gegeben. Wenngleich deutsche Hersteller den Start etwas 'verschlafen' haben, besteht definitiv die Möglichkeit, kurzfristig eine führende Rolle einzunehmen. Der Wissenstransfer zwischen Forschungsinstituten und der Automobilindustrie funktioniert aus meiner Erfahrung sehr gut, um jetzt die notwendigen und wegweisenden Schritte zu gehen.“


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