Handling im Labor & Asset Management

Was läuft im 'System Krankenhaus' falsch?

RFID ist, laut HID Global, die Technologie der Wahl, um Daten transparenz in allen Prozessen zu erreichen. Die unzeitgemäße Alternative dazu ist, Daten mit hohem manuellen Aufwand und möglicherweise fehlerbehaftet zu generieren.

Wie können Missstände beseitigt, Transparenz geschaffen und gleichzeitig Kosten gesenkt werden?

Im Interview mit RFID im Blick berichten Eric Suligoj, Director Business Development - Industry & Logistics, und Richard Aufreiter, VP Product Marketing, Identification Technologies, HID Global, warum gerade das ‚Krankenhaus‘ ideale Voraussetzung für die Integration von RFID-basierten Lösungen ist.

RFID ist, laut HID Global, die Technologie der Wahl, um Daten transparenz in allen Prozessen zu erreichen. Die unzeitgemäße Alternative dazu ist, Daten mit hohem manuellen Aufwand und möglicherweise fehlerbehaftet zu generieren.

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Zu geringe Compliance-Raten in der Handhygiene, Missmanagement medizinischer Geräte und mobiler Assets, Zeitverlust trotz Arbeitsverdichtung bedingt durch Pflegenotstand, juristische Risiken durch fehlerhafte Dokumentationen, steigende Versicherungspolicen, unsachgemäße Aufbereitung von OP-Instrumenten – moderne Krankenhäuser gleichen einer Großbaustelle.

Allein im deutschen Gesundheitswesen entstehen jeden Tag Ausgaben in Milliardenhöhe. 2018 waren es 390,6 Milliarden Euro. Schwachstellen im Gesundheitssystem sind intransparente und ineffiziente Prozesse – verursacht auch durch fehlende Digitalisierung. Das erzeugt Missmanagement und strapaziert begrenzte Budgets. Vor allem aber gefährdet der Digitalisierungsstau ganz konkret Menschenleben.

Fehlerfreies Handling im Labor

Zielsetzung: Verwechslungen zu 100 Prozent ausschließen

Blutentnahme-, Abstrich-, oder Sputum- Röhrchen, PCR-Tubes, Proben- und Objektträger, Petrischalen und Handling-Equipment wie Pipetten und Tabletts – in einem Labor werden tagtäglich unzählige Einzelteile bewegt. Das Handling von Blut- und Gewebeproben ist trotz vorgeschriebener, aufwändiger Dokumentationen und umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen fehleranfällig.

Es ereignen sich Verwechslungen oder Proben werden durch unsachgemäßes Handling – oder Manipulation – unbrauchbar. Weitverbreitete optische Identifi kationslösungen und manuelle händische Eintragungen sind zeitaufwändig.

Die Automatisierung von Prozessen ist nur in Teilbereichen möglich. RFID-Transponder an Probengestellen oder direkt an Probengefäßen, sichern die eindeutige Identifizierung ab. Die Datenerfassung ist auch dann noch prozesssicher möglich, wenn optisch lesbare Beschriftungen oder Bedruckungen durch den Einfl uss von Tiefsttemperaturen, Hitze oder Chemikalien nicht mehr lesbar sind.

Gibt es eine Schlussfolgerung?

Ein zusätzlicher Bereich für den Einsatz von RFID-Technologie im Labor ist das Taggen von Instrumenten und Laborequipment. Pipetten können den untersuchten Proben ebenso zugeordnet werden wie Objektträger zu mikroskopischen Untersuchungen.

Auch die Steuerung von Laborprogrammen ist per RFID möglich: Werden getaggte Proben mit einer in die Arbeitsfl äche integrierten Antenne erfasst, zeigt ein Display die entsprechenden Untersuchungsaufträge und Bearbeitungsschritte an. Die Erfassung stellt sicher, dass Probenanalysen in den vorgeschriebenen Bearbeitungsschritten ablaufen. Kein Schritt kann übersprungen werden.

Handhygiene Compliance erhöhen

Jede 4. Handdesinfektion wird unterlassen

Krankenhäusern und Ministerien zur Förderung der Handhygiene-Compliance schaff en keine 100-prozentige Rate. In einer Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) über vier Jahre zur verhaltenspsychologisch optimierten Förderung der hygienischen Händedesinfektion (PSYGIENE), konnte eine Compliance-Rate von 73 Prozent erreicht werden.

Das bedeutet: Jede vierte vorgeschriebene Handdesinfektion wurde nicht durchgeführt. Ein alarmierendes Bild vor dem Hintergrund, dass mehr als 80 Prozent aller Infektionen über die Hände übertragen werden.

RFID unterstützt Steigerung der Compliance-Rate

Warum wird keine 100-prozentige Compliance erreicht? Die Gründe dafür reichen von der zunehmenden Arbeitsverdichtung in der Pflege und bei der Patientenversorgung bis zur unzureichenden Verfügbarkeit von Hygienepräparaten am Point-of-Care. Die Aufgabe lautet, Ärzte und Pflegekräfte bestmöglich bei der Handhygiene-Compliance zu unterstützen.

Technologische Lösungen bieten gegenüber rein motivatorischen Maßnahmen den Vorteil der individuellen Kontrolle jeder notwendigen Handdesinfektion.

Mitarbeiter werden an Desinfektionsmittelspendern über ein RFID-Armband oder ihren RFID-fähigen Mitarbeiterausweis erfasst. Findet eine Desinfektionsmittelabgabe nicht statt, ertönt ein Signal. RFID-basierte Lösungen in Kombination mit patientennaher Platzierung von Desinfektionsmittelspendern sind eff ektive Bausteine, um die Desinfektionsquote zu steigern und Kreuzkontaminationen zu verhindern.

Assets identifizieren, lokalisieren und nachverfolgen

„Wo ist das mobile Ultraschallgerät?“

Spritzenpumpen, Dialysegeräte, Patientenmonitore, Ultraschallgeräte, Lungenfunktionsdiagonostikgeräte, Magnetresonanztomographiegeräte oder Säuglingsinkubatoren, dazu Betten, Nachttische und Rollstühle – in Krankenhäusern befinden sich hunderttausende Medizinprodukte. In Europa unterliegt ein Großteil dieser Produkte einer Verordnung zur sicherheitstechnischen Kontrolle.

Die Begutachtung muss regelmäßig, jedoch mindestens alle 24 Monate erfolgen. Bei fahr- oder tragbaren Geräten ist zusätzlich die schnelle Auffindbarkeit zur Patientenversorgung elementar. Je nach Produktart – kommen sie nur oberflächlich mit der Haut des Patienten in Berührung oder mit Schleimhäuten und Wunden – müssen Aufbereitungsregeln eingehalten werden. Alle Kontrollarbeiten, Test- und Messergebnisse werden im Medizinproduktebuch dokumentiert. Die Einsatzzeiten der Geräte müssen für interne und externe Abrechnungen exakt nachvollziehbar sein.

RFID löst Komplexität auf

Mit RFID-Kennzeichnung und passender ITLösung wird die Komplexität der Anforderungen an Dokumentation und Transparenz aufgelöst. Getaggte Assets, die zur Patientenbehandlung, -versorgung und -unterstützung eingesetzt sind, werden IT-seitig im Krankenhausinformationssystem abgebildet. Die automatische Dokumentation von Nutzungszeiten, Aufbereitungen und Kontrollen sowie die Lokalisierung in Echtzeit, entlastet Mitarbeiter von zeitintensiven Aufgaben, sichert die Versorgung der Patienten und unterstützt ein kosteneffizientes Krankenhausmanagement.

Sterilisation und OP-Management

Septisch, schmutzig, infiziert OP-Instrumente müssen steril sein

Jedes einzelne OP-Instrument muss vor dem Einsatz vorschriftsgemäß sterilisiert sein. In Großkrankenhäusern durchlaufen in einem Jahr über eine Millionen OP-Instrumente und andere mehrfach verwendbare Medizinprodukte die Zentralsterilisation. Mehrwegoperationsbestecke und flexible Endoskope werden gereinigt, desinfiziert und sterilisiert. Taucht jedoch ein unsachgemäß aufbereitetes Instrument in einem OP auf, ist der Schaden immens.

Auch wenn kein Patient direkt durch verunreinigte Medizinprodukte geschädigt wurde, müssen komplette chirurgische Abteilungen zur Untersuchung umgehend geschlossen werden. Rechtliche Ermittlungsverfahren können sich über Jahre hinziehen. Der Nachweis über die ordnungsgemäße Sterilisation wird zur entscheidenden Information.

Prozesssicherheit in der ZSVA mit RFID

Mit RFID wird dieser Nachweis erbracht. Die ID eines RFID-Tags am Instrumentenkorb – oder direkt am Instrument – wird mit der Information zu Anzahl und Art der Instrumente in einer Management-Software verheiratet. Automatisierungs- und Robotertechnik stellt sicher, dass Sterilisationsgeräte korrekt bestückt werden, Instrumente in Siebkörben nicht übereinanderliegen und Scheren geöff - net sind. HID entwickelt spezielle RFID-Transponder für alle Sterilisationsverfahren. „In der Sterilisation wirken unterschiedliche Einflüsse auf die Tags ein: Hitze, Druck, Feuchtigkeit, chemische Substanzen oder Gammastrahlung.

Die Tags müssen somit nicht nur mechanischen Belastungen standhalten, auch die integrierten Speicher müssen Belastungen durch radioaktive Bestrahlung überstehen“, erläutert Eric Suligoj. Für die direkte Anbringung oder sogar Einbettung in medizinische Instrumente kommt die Anforderung der Miniaturisierung und der Performance in vollmetallischen Umfeldern hinzu. Mit der passenden Tag-Lösung wird die Aufbereitung lückenlos und digital nachvollziehbar dokumentiert.

Geräteüberprüfung und Konfigurationsabsicherung

Patientensicherheit wird durch gefälschtes Zubehör gefährdet

Bei arthroskopischen Untersuchungen und OPs, bei Nierenbehandlungen oder ästhetischen Therapiemaßnahmen werden medizinische Geräte eingesetzt. Mit unterschiedlichem Equipment wie Filtern, Schläuchen oder Handstücken ausgestattet, passen Medizinier die Geräte an die jeweilige Behandlung an. Bei jedem Zubehörwechsel muss zunächst sichergestellt sein, dass die verwendeten Teile original, zertifi ziert und offi ziell zugelassen sind. Gefälschte Produkte gefährden die Gesundheit der behandelten Patienten und beeinträchtigen oder beschädigen die Geräte.

Zweitens muss je nach Art des Einsatzes gewährleistet sein, dass Zubehörteile ausschließlich für die Behandlung eines Patienten genutzt werden. Das dritte Ziel ist die automatische Gerätekonfiguration durch den Anschluss von Zubehörteilen für spezifische Behandlungen. Wechselt ein Patient zum Beispiel von der OP-Einleitung in den OP-Saal, muss die Übertragung patienten-spezifischer Parameter von einem Beatmungsgerät zum nächsten zu 100 Prozent sicher sein.

Smartes Gerätezubehör

„Die Integration von RFID-Tags in Zubehörteile und Verbrauchsmaterialien erfüllt alle drei Anforderungen. In den Geräten sind Reader-Module verbaut, die beim Einsetzen oder Anschließen von Teilen automatisch die Echtheit überprüfen. Entsprechend gespeicherter Voreinstellungen sperrt das Gerät die Nutzung bei der mehrmaligen Verwendung. Geräte übernehmen spezifische Konfigurationen angeschlossener Zubehörteile wie Arbeitsgeschwindigkeiten oder Drücke“, erklärt Eric Suligoj.

Betäubungsmittel digital registriert

Zugriff auf Akutmedikamente doppelt absichern

Werden RFID-Tag-Entwicklungen auf neue Anwendungen übertragen, beschleunigt sich der ROI. Ein plakatives Beispiel ist ein OEM-Produkt, dass heute in Rettungswagen die Akutversorgung von Schwerstverletzten unterstützt. Ursprünglich wurde der in dieser Lösung integrierte UHF-RFIDTransponder „Seal Tag edTamper“ von HID für die Überprüfung von Schwimmwesten in Flugzeugen entwickelt.

Der Tag lässt Manipulationen digital sichtbar werden. Mit einem Handheld ist aus bis zu zwei Metern Entfernung erkennbar, ob das Siegel geöffnet oder durchbrochen ist. Ein US-amerikanisches Unternehmen nutzt diese Funktion zum Nachweis geöffneter Verschlüsse, um Behälter mit Narkotika zu sichern.

Richard Aufreiter: „Der Seal-Tag ist in die Verschlusskappe des Arzneimittelbehälters integriert. Sobald der Drehverschluss geöff net wird, öffnet sich auch das RFID-Siegel. Der Nachweis wird über die UHF-Schnittstelle des Tags übertragen. Der exakte Zeitpunkt wird dokumentiert.“

Der Zugriff auf die Behälter ist auf autorisiertes Personal beschränkt. Zur Lösung gehört ein Safe mit integriertem UHF-Reader-Modul, dass die Vollständigkeit der eingestellten Behältergestelle überprüft. Der Zugriff auf den Safe ist mit einem RFID-Schloss gesichert. Jeder Zugriff wird dokumentiert. „Durch die Verwendung von RFID-Ausweisen für das Personal und die versiegelten Behälter findet eine doppelte Absicherung hochwirksamer Medikamente statt“, unterstreicht Richard Aufreiter.

Digitaler Anwesenheitsnachweis

Exakte Abrechnung häuslicher Pflegedienstleistungen

Fast drei Millionen Menschen werden in Deutschland in häuslicher Umgebung von ambulanten Diensten versorgt und gepflegt. Mehr als 14.000 Pflegedienste sind in Deutschland aktiv. In den USA werden mehr als 12 Millionen Menschen zu Hause von ambulanten Pflegern betreut. Fast 430 Millionen Patientenbesuche erfolgen in den USA pro Jahr. Jeder dieser Besuche muss inhaltlich und zeitlich dokumentiert werden.

Die ungenaue Zeiterfassung führt in den USA zu hohen finanziellen Belastungen. Schätzungen zufolge kam es allein in Texas durch fehlerhafte Abrechnung von 500 Pflegediensten zu einem finanziellen Schaden von 375 Millionen US-Dollar. Ob fahrlässig oder mit betrügerischer Absicht – eine RFID-basierte Lösung vereinfacht eine sichere und exakte Zeiterfassung.

Der „Trusted Tag Service“ von HID basiert auf NFC-Tags, die bei jedem Tap mit einem NFC-fähigen Endgerät eine einzigartige URL erzeugen. Bei Ankunft und Abreise tappt ein Pfl eger einfach den Tag am Wohnort des Patienten. Die verschlüsselte Information ändert sich bei jedem Tap und kann somit nicht geklont oder manipuliert werden.

Manipulationsschutz integriert

Die Tags verfügen über einen physischen Manipulationsschutz, sodass sie nicht zwischen zwei Orten transferiert werden können, ohne sie zu zerstören. „Die Lösung benötigt keine umfassende Reader-Hardware oder Software- Einbindungen. Sie erzeugt eine sichere Datenbasis für exakte Anwesenheitsnachweise, ohne das Budget von Pflegediensten mit aufwändigen Integrationen zu belasten“, so Richard Aufreiter.

Eric Suligoj: „Prozesse in Krankenhäusern stellen höchste Anforderungen an Sicherheit und Transparenz. Die Fehlertoleranz ist extrem niedrig. Korrekte Daten sind der Schlüssel zur Absicherung von logistischen Prozessen oder der Objektidentifikation in der Medizin. Die unmoderne Alternative dazu ist, Daten mit hohem manuellen Aufwand und möglicherweise fehlerbehaftet zu generieren.“

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Granges-Veveyse, Schweiz
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Eric Suligoj
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